«Der Fahrsport ist geprägt von Leidenschaft und Vertrauen»

Marco Bryner ist bereits Präsident der Veterinärkommission von Swiss Equestrian. Auch hatte er bisher das Amt des Equipenchefs und -tierarzts der Ein- und Zweispännerfahrer inne. Neu übernimmt er jetzt das Amt des Disziplintierarzts.

Marco Bryner hat ein Auge auf seine Schützlinge – die Fahrpferde. | © Brigitte Gfeller

Marco, was ist deine Motivation, dich als Disziplintierarzt Fahren einzusetzen? 
Ich habe während sechs Jahren die Ein- und Zweispänner als Equipentierarzt und Equipenchef betreut. Der Fahrsport interessiert mich sehr – es ist eine anspruchsvolle Disziplin, die sowohl in der Dressur als auch im Marathon und im Kegelfahren hohe Anforderungen an die Pferde stellt. Mein Ziel ist es, die Pferde während der Saison, an Turnieren und an Championaten optimal zu betreuen und die Fahrerinnen und Fahrer dabei zu unterstützen, konstante und gute Leistungen zu erbringen.

Reitest oder fährst du auch selbst? 
Ich reite selbst, ja. Fahren tue ich nicht oder noch nicht. Ich reite seit jungen Jahren, heute zeitlich etwas weniger als früher. Wenn ich dazu komme, dann reite ich dressurmässig oder springe auch mal, jedoch vor allem aus Freude und als Hobby.

Welche Schwerpunkte wirst du als neuer Disziplintierarzt Fahren setzen? 
Ein für mich wichtiger Schwerpunkt wird sein, wissenschaftliche Erkenntnisse noch stärker in das Training einzubringen, insbesondere in den Bereichen Ausdauer und Leistungsfähigkeit. Das hängt natürlich auch von den vorhandenen Ressourcen und den Entscheidungen der zuständigen Gremien ab. 
Ein weiterer zentraler Punkt ist das Tierwohl. Auch wenn die Disziplin Fahren nicht immer im medialen Fokus steht, ist es mir wichtig, sicherzustellen und transparent aufzuzeigen, dass die Pferde eine gute Lebensqualität haben – sowohl im Training als auch an Grossanlässen wie Weltmeisterschaften. Es geht darum, den Fahrsport sachlich und fundiert zu positionieren und unnötige Kritikpunkte gar nicht erst entstehen zu lassen.

Einlass der Nationen anlässlich der WM der Zweispänner 2025 in Beekbergen (NED). © Brigitte Gfeller

Was macht die Schweizer Fahrer:innen sowie ihre Pferde aus, die international regelmässig erfolgreich sind? 
Ich denke, was die Schweizer Fahrer:innen auszeichnet – und auch der Schlüssel zum Erfolg ist – ist ihre Leidenschaft und ihr grenzenloses Engagement. Ein weiterer Punkt ist zum Teil wohl auch die Wahl der Rasse: Eine nicht unerhebliche Anzahl der Schweizer Fahrer ist mit Freibergern unterwegs. Und diese Rasse bringt im Fahrsport klare Vorteile mit sich: Wendigkeit, Leistungsbereitschaft und eine kompaktere Grösse im Vergleich zu grossen Warmblütern.

Was bedeutet der Pferdesport allgemein und die Disziplin Fahren im Speziellen für dich? 
Der Fahrsport ist bei den Schweizer Fahrerinnen und Fahrern stark von Leidenschaft geprägt. Sie investieren enorm viel Zeit, Engagement und Motivation. Diese Passion zeichnet sie aus. Der Pferdesport insgesamt ist für mich etwas sehr Besonderes. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist einzigartig. Im Fahren ist diese Verbindung nochmals spezieller, da die Kommunikation im Wesentlichen über die Leinen und die Stimme erfolgt. Vertrauen, Verständnis und Feingefühl sind dabei zentral. Der Pferdesport – und insbesondere der Fahrsport – ist deshalb auch eine wertvolle Lebensschule.