Martin, wie ist es zu dieser neuen Lizenzprüfung gekommen?
Die bisherige Lizenzprüfung, auch Multitest MB4 genannt, bestand seit 2006. Im Zuge einer Überarbeitung wurde ich angefragt, die fachliche Verantwortung zu übernehmen und die Prüfung weiterzuentwickeln. Mein Ziel war eine klar strukturierte, kombinierte Prüfung bestehend aus den Teildisziplinen Dressur und Hindernisfahren. Die Idee, die Lösung im Rahmen einer Kurzprüfung der Stufe L war aus meiner Sicht zu wenig präzise definiert.
Mit Unterstützung von Federica Giovannini, Sportmanagerin der nichtolympischen Pferdesportdisziplinen sowie der Ausbildungsverantwortlichen Bettina de Rham von Swiss Equestrian entstand der neue Test MB5, in Kraft ab 2026: Dieser Test besteht aus einem kurzen Dressurprogramm kombiniert mit im gleichen Viereck gezielt platzierten Kegelhindernissen für den Hindernisparcours. Der Test ist vielseitig einsetzbar, nicht nur als Lizenzprüfung, sondern auch für Cups, Einsteigerprüfungen oder für Prüfungen für lizenzierte Fahrer mit jungen oder unerfahrenen Pferden.
Was ist dir in der Ausbildung besonders wichtig?
Eine strukturierte, durchgängige Ausbildung ist zentral. Ich habe mich bereits beruflich als Bäckerkonditormeister intensiv mit Bildungssystemen beschäftigt und im Fahren deutliche Lücken erkannt. Gemeinsam mit meiner Tochter Bettina Wagner habe ich deshalb ein Lehrmittel für die Grundausbildung entwickelt, das heute Teil des nationalen Ausbildungskonzepts ist. Seit 2018 führen wir entsprechende Kurse für Ausbilder und Experten durch.
Unser Ziel: einheitliche, qualitativ hochwertige Ausbildung in der ganzen Schweiz. Im Fokus stehen Sicherheit, korrekter Umgang mit dem Pferd, Materialkenntnis und ethisches Handeln. Fahrer sollen sich kompetent, verantwortungsvoll und pferdefreundlich im öffentlichen Raum bewegen können.
Vermisst du den Turniersport?
Ich blicke auf 18 intensive Jahre im Vierspännersport mit vielen prägenden Erlebnissen zurück. Diese Zeit möchte ich nicht missen. Heute verspüre ich jedoch kein Bedürfnis mehr, selbst aktiv zu fahren. Der Kontakt zur Szene bleibt aber bestehen – durch Begegnungen, meine Familie und meine Tätigkeit als Offizieller. Als Richter bin ich weiterhin nahe am Geschehen und erlebe den Pferdesport aus einer anderen Perspektive.
Was ist entscheidend für Einsteiger?
Entscheidend für Einsteiger in den Fahrsport ist die Freude am Pferd und am Fahren selbst. Die Verbindung über Leinen, Stimme und Peitsche als Kommunikationshilfe – dieses feine Zusammenspiel – steht im Zentrum. Ebenso wichtig ist die Freude an gemeinsamen Erlebnissen in der Natur, sei es mit Freunden oder Familie.
Was wünschst du dir für die Schweizer Fahrszene?
Respekt gegenüber allen, die diesen Sport ausüben – unabhängig von Alter, Talent oder Ambition. Der Breitensport darf nicht vernachlässigt werden. Gleichzeitig braucht es eine fundierte, respektvolle Trainerausbildung.
Im Spitzensport wünsche ich mir Professionalität ohne Kompromisse beim Pferdewohl sowie Fairness im Umgang miteinander. Und: mehr Fokus auf Eleganz und Ästhetik – Qualitäten, die teilweise durch Reglemente in den Hintergrund geraten sind.
Warum begeistert dich das Fahren?
Die Faszination Fahren begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich habe bereits als kleiner Bub vom Fahren mit Pferden geträumt, als ich noch mit einem Gespann der Müllerei mitfahren durfte, die ab und zu Mehl in unsere Bäckerei brachte. Obwohl ich nicht aus einer Pferdefamilie stamme, habe ich jede Gelegenheit genutzt – nicht zuletzt dank meinem Trainpferd, mich in diese Richtung weiterzuentwickeln. Mit 45 Jahren erfüllte ich mir den Traum vom Vierspännersport.
Bis heute beeindruckt mich, wie fein und präzise die Kommunikation mit einem oder mehreren Pferden sein kann. Wenn dieses Zusammenspiel gelingt, entsteht eine echte Einheit. Schade, dass ich manchmal enttäuschend feststellen muss, dass einige Fahrer dieses Gefühl bislang wohl nicht erleben durften. Mein Grundsatz bleibt: Fahren ist ein Gefühlsport, kein Kraftsport.
Was bedeutet dir die Verbindung zum Pferd?
Sie ist zentral. Ich habe grossen Respekt vor dem Pferd und durfte von vielen aussergewöhnlichen Tieren lernen. Fehler gehören dazu – entscheidend ist, daraus zu lernen, und ich hoffe fest, dass sie mir diese verzeihen konnten. Die feine, tägliche Kommunikation mit dem Pferd ist etwas, das tief im Herzen berührt und weit über den