Olympische Jugendspiele 2026: Gérard Lachat gewährt Einblicke in die Entstehung eines Springparcours

Vom 31. Oktober bis 13. November 2026 finden in Dakar die Olympischen Jugendspiele statt – erstmals auf afrikanischem Boden. Im Springreiten stehen 24 Nachwuchstalente vor einer besonderen Herausforderung: Sie treten mit Pferden an, die ihnen per Los zugeteilt werden. Wir haben den Schweizer Parcoursbauer Gérard Lachat in seinem Stall in Bellelay besucht und mit ihm einen Blick hinter die Kulissen der Parcoursgestaltung geworfen.

Die Olympischen Jugendspiele bringen junge Athletinnen und Athleten aus aller Welt zusammen und bieten ihnen ein einzigartiges sportliches Erlebnis. In Dakar finden die Springprüfungen vom 3. bis 6. November 2026 statt. Insgesamt treten 24 Reiterinnen und Reiter unter 18 Jahren in Einzelwettbewerben und kontinentalen Teamwettbewerben gegeneinander an.

Die Besonderheit: Die Pferde werden von den Organisatoren zur Verfügung gestellt und den Teilnehmenden per Los zugeteilt. Die jungen Athletinnen und Athleten müssen ihre neuen vierbeinigen Partner deshalb innerhalb kürzester Zeit kennenlernen, bevor es in den Parcours geht.

Diese Ausgangslage macht die Aufgabe des Parcoursbauers besonders anspruchsvoll. Wie gestaltet man einen Parcours, der sportlich herausfordernd und gleichzeitig fair ist und auf Pferd-Reiter-Paare zugeschnitten ist, die sich gerade erst kennengelernt haben?

Um das herauszufinden, haben wir Gérard Lachat in seinem Stall in Bellelay besucht. Anhand eines Parcoursplans erklärte uns der Schweizer Parcoursbauer Schritt für Schritt, welche Überlegungen hinter jedem einzelnen Hindernis stecken.

Gérard, was macht deinen Einsatz in Dakar so besonders?

Es ist eine neue Erfahrung für mich! Ich war bereits für einen Testwettkampf in Dakar. Besonders spannend finde ich es, andere Mentalitäten, unterschiedliche Arbeitsweisen und ein Umfeld kennenzulernen, das sich stark von unserem unterscheidet.

Aus sportlicher Sicht besteht die Besonderheit darin, dass die jungen Reiterinnen und Reiter Pferde vorstellen, die sie noch nicht kennen. Deshalb müssen die Parcours so gestaltet sein, dass sie möglichst schnell ein Gefühl für ihre neuen Partner entwickeln können.

Wie beginnt die Planung eines Parcours für einen Anlass dieser Grössenordnung?

Alles beginnt mit dem FEI-Reglement! Für die erste Qualifikation darf ich beispielsweise bis zu zwölf Hindernisse vorsehen, darunter entweder eine Dreifachkombination oder zwei Zweifachkombinationen. Die Hindernishöhe beträgt 1,20 Meter, die Parcourslänge muss zwischen 500 und 600 Metern liegen.

Anschliessend nehme ich den Plan des Turnierplatzes zur Hand und beginne zu zeichnen. Ich überlege mir, wo die Hindernisse stehen sollen, welche Distanzen sinnvoll sind und wie die Linienführung aussehen könnte. Jedes Detail spielt eine Rolle.

Warum schenkst du dem ersten Hindernis so viel Aufmerksamkeit?

Weil es den Einstieg in den Parcours bestimmt! Ich möchte, dass die Reiterinnen und Reiter mit ihrem neuen Pferd gut starten können. Deshalb suche ich einen Standort, der es ihnen ermöglicht, das erste Hindernis sowohl von rechts als auch von links anzureiten.

Auch danach soll der Parcours möglichst flüssig verlaufen, mit grosszügigen Wendungen und genügend Platz, um wieder einen guten Galopprhythmus zu finden. Es geht nicht darum, den Reiterinnen und Reitern Fallen zu stellen, sondern darum, zu sehen, wie gut sie sich auf ihr Pferd einstellen können.

«Ein Meter kann alles verändern»

Was passiert, wenn du kurzfristig ein Hindernis verschieben musst?

Eine solche Entscheidung trifft man nicht leichtfertig. Es kann vorkommen, dass ein Hindernis aufgrund der Bodenverhältnisse verschoben werden muss. Solche Anpassungen müssen jedoch vor dem Start der Teilnehmenden vorgenommen werden.

Bereits eine Verschiebung um einen einzigen Meter kann die Distanz in einer Wendung verändern und damit die Anzahl der Galoppsprünge beeinflussen. Deshalb ist höchste Präzision gefragt, damit für alle die gleichen fairen Bedingungen gelten.

Stehen die Parcours bereits vor Beginn des Wettkampfs vollständig fest?

Der grundlegende Parcoursverlauf wird im Voraus geplant. Nach den ersten Prüfungen kann ich die folgenden Parcours aber noch anpassen.

So kann ich besser einschätzen, wie die Pferde und Reiterinnen und Reiter miteinander harmonieren. Genau das gehört zu den Aufgaben des Parcoursbauers: aufmerksam beobachten und flexibel auf die Gegebenheiten reagieren.

«Der stressigste Moment? Wenn das erste Pferd in den Parcours kommt!»

Wann verspürst du als Parcoursbauer den grössten Druck? 

Zu Beginn einer Prüfung! Sobald der Parcours aufgebaut ist, bin ich eigentlich ziemlich gelassen. Doch wenn die ersten Reiterinnen und Reiter in den Parcours kommen, bin ich gespannt, ob alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe.

Gibt es für dich den perfekten Parcours? 

Ich denke schon – aber nicht unbedingt für alle! Ein Parcours kann aus meiner Sicht perfekt sein und einigen Reiterinnen und Reitern besonders gut liegen, während andere damit mehr Schwierigkeiten haben.

Entscheidend ist, dass der Parcours fair und dem Niveau der Teilnehmenden angepasst ist und den Pferden ermöglicht, die Hindernisse gut zu überwinden.

Für die Schweiz geht der 16-jährige Mike Smits aus Chevenez an den Youth Olympic Games an den Start.