15 Schweizermeistertitel wurden an der diesjährigen SM Western und Reining vergeben. Doch die Ausgabe 2026 war nicht allein aufgrund der sportlichen Entscheidungen eine besondere. Erstmals seit mehreren Jahren kamen Western und Reining wieder im Rahmen einer gemeinsamen Schweizermeisterschaft zusammen. Hinter der Umsetzung stand ein Organisationskomitee mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Bereiche des Schweizer Westernsports.
«Es macht mich besonders stolz, dass es uns nach mehreren Jahren wieder gelungen ist, Western und Reining in einer gemeinsamen Schweizermeisterschaft zusammenzubringen. Hinter diesem Anlass liegt eine lange Vorbereitungszeit. Umso schöner ist es, jetzt das Resultat zu sehen: zufriedene Athletinnen und Athleten, viele Besucherinnen und Besucher und eine Veranstaltung, bei der die verschiedenen Bereiche unseres Sports zusammenkommen. Genau das war unser Ziel.»
Jonas Schleiniger, Mitglied des Organisationskomitees der SM Western und Reining.
Ein Sport, der sich verändert hat
Wie stark sich der Westernreitsport in der Schweiz entwickelt hat, zeigt sich nicht nur an einer Veranstaltung wie der Schweizermeisterschaft. Auch sportlich hat sich in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren einiges verändert.
«Der Westernsport hat sich stark weiterentwickelt. Früher war es möglich, mit demselben Pferd in mehreren Disziplinen zu starten. Heute sehen wir eine deutlich stärkere Spezialisierung, sowohl bei den Reiterinnen und Reitern und ihren Pferden als auch in der Zucht. Pferde werden gezielter für die Anforderungen einzelner Disziplinen gezüchtet und ausgebildet. Für mich ist diese Entwicklung ein Gewinn, denn sie zeigt, wie sich unser Sport kontinuierlich weiterentwickelt und professionalisiert.»
Adrienne Speidel, Mitglied des Organisationskomitees der SM Western und Reining.
Die Bandbreite ist entsprechend gross: Von Reining über Ranch Riding und Ranch Trail bis zu Western Pleasure, Trail oder Western Horsemanship stellen die einzelnen Prüfungen ganz unterschiedliche Anforderungen an Pferd und Reiter:innen.
Für Adrienne Speidel ist diese Spezialisierung auch Ausdruck einer positiven Entwicklung: Der Sport entwickelt sich weiter und wird professioneller. Gleichzeitig stellt sich damit eine zentrale Frage für die Zukunft: Wie gelingt es, genügend Nachwuchs für den Westernreitsport zu begeistern und langfristig im Sport zu halten?
Dabei wird Nachwuchs bewusst weiter gefasst als ausschliesslich Kinder und Jugendliche. Für Jonas Schleiniger gehören ebenso erwachsene Reiterinnen und Reiter dazu, die neu in den Westernsport einsteigen, sich weiterentwickeln und sich langfristig darin etablieren möchten. Die Nachwuchsförderung beginnt damit bei den Jüngsten, endet aber nicht mit einer bestimmten Altersgrenze.
Locker, ambitioniert und ein bisschen Cowboy sowie Cowgirl
Wer in Emmen vor Ort war, merkte schnell: Western und Reining bringen eine ganz eigene Atmosphäre in den Schweizer Pferdesport. Countrymusik begleitet das Geschehen, Cowboystiefel und -hüte gehören ebenso zum Bild wie glitzernde Showoutfits. Gleichzeitig wird in der Arena hochkonzentriert und auf hohem sportlichem Niveau gearbeitet.
Adrienne Speidel und Jonas Schleiniger bringen die Welt des Westernreitens mit drei Begriffen auf den Punkt: locker, ambitioniert und natürlich auch ein bisschen Cowboy und Cowgirl.
Hinter dieser scheinbaren Lockerheit steckt viel Arbeit. Eine Schweizermeisterschaft dieser Grössenordnung entsteht nicht erst an den vier Veranstaltungstagen. Ein grosses OK, zahlreiche Helferinnen und Helfer sowie die Unterstützung von Sponsoren und Partnern sind notwendig, damit Athletinnen und Athleten optimale Bedingungen vorfinden und gleichzeitig ein attraktiver Anlass für das Publikum entsteht.
Eine wichtige Rolle spielte dabei auch Swiss Equestrian. Die gemeinsame Schweizermeisterschaft war eines der zentralen Projekte der Western-Disziplinen im Jahr 2026 und wurde vom Verband entsprechend unterstützt. Im Vorfeld wurden die Reglemente der Schweizermeisterschaften harmonisiert. Gleichzeitig galt es, die Besonderheiten und den eigenen Charakter der einzelnen Western-Disziplinen zu bewahren.
Damit geht die gemeinsame Schweizermeisterschaft weit über einen einzelnen Anlass hinaus: Sie steht für einen wichtigen Schritt, die verschiedenen Communities des Westernsports näher zusammenzubringen. Die unterschiedlichen Western-Disziplinen bilden heute gemeinsam eine Disziplin innerhalb von Swiss Equestrian – und genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl soll auch künftig weiter wachsen und erlebbar werden.
Der diesjährige Slogan «We ride – better together!» brachte diesen Gedanken auf den Punkt. «Better together» stand in Emmen nicht nur für das gemeinsame Reiten. Der Satz beschrieb ebenso die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen, Disziplinen und Menschen, die den Westernsport in der Schweiz prägen. Gemeinsam organisieren, gemeinsam weiterentwickeln und gemeinsam reiten.
Eine Anlage, die Westernsport lebt
Den passenden Rahmen dafür bot Seiler Quarter Horses in Emmen. Die Anlage von Chris Seiler bot mit einer 38 × 76 Meter grossen Arena sowie einem 30 × 60 Meter grossen Warm-up-Bereich optimale Bedingungen für die Schweizermeisterschaft. Beide Reithallen befinden sich unter einem gemeinsamen, über 10’000 m² grossen Dach und ermöglichen damit eine wetterunabhängige Durchführung der Wettkämpfe.
Für Chris Seiler entsprach die gemeinsame Schweizermeisterschaft einer Idee, die für ihn auch beim Bau der Anlage eine Rolle spielte: unterschiedliche Nutzungsformen unter einem Dach zu ermöglichen, für Veranstaltungen ebenso wie für den täglichen Betrieb und dabei den Charakter des Westernsports nie aus den Augen zu verlieren.
Dieser Anspruch zeigt sich auch in vielen Details der Anlage. Funktionalität, Nachhaltigkeit und die Bedürfnisse der Pferde wurden miteinander verbunden. Dazu gehört beispielsweise das Sammeln von Regenwasser in zwei grossen Tanks mit einem Gesamtvolumen von rund 900'000 Litern. Das Wasser soll künftig bei Bedarf auch zur Bewässerung der Weiden genutzt werden können. Gedeckte Unterstände und Futterstellen wiederum wurden mit Blick auf die Haltung der Pferde umgesetzt.
Pferdewohl endet für Seiler jedoch nicht mit der aktiven Sport- oder Zuchtkarriere eines Pferdes. Besonders wichtig war ihm deshalb auch ein eigener Bereich für pensionierte Pferde. Sie sollen ihren Lebensabend weiterhin zu Hause verbringen, in vertrauter Umgebung und betreut von ihm und seiner Familie.
Eine Schweizermeisterschaft mit eigener Welt
Vier Tage lang zeigte Emmen damit nicht nur die sportliche Vielfalt von Western und Reining. Die Schweizermeisterschaft machte auch sichtbar, wie sich diese Disziplin entwickelt: spezialisierter und professioneller, gleichzeitig aber geprägt von Gemeinschaft und einer unverwechselbaren Kultur.
Zwischen Texasflair und Countrymusik, glitzernden Hemden, Cowboystiefeln und spannendem Sport entstand ein Anlass, der Athleten sowie Publikum zusammenbrachte und begeisterte.
Vielleicht fasst gerade deshalb der Slogan der diesjährigen Schweizermeisterschaft das Wochenende am besten zusammen:
We ride – better together.