Für beide Richter beginnt die Beurteilung mit dem Gesamteindruck des Pferdes. Ein harmonischer Körperbau, korrekte Proportionen und die Ausstrahlung spielen dabei eine wichtige Rolle.
«Ich schaue mir immer das Pferd als Ganzes an», erklärt Eva Lachat. Besonders wichtig sind ihr eine gute Halsung, eine schöne obere Linie und ein harmonischer Körperbau. Auch ihr Bauchgefühl für die Art des Pferdes fliesst in die Beurteilung ein.
Ähnlich sieht es Stefan Meierhans. Für ihn stehen zunächst der Typ und das Gesamtexterieur im Vordergrund. Entscheidend sei jedoch nicht allein das Erscheinungsbild im Stand. «Man muss das Pferd auch in der Bewegung sehen», betont er. Ein unscheinbares Pferd könne durch einen elastischen Galopp oder einen leichtfüssigen Sprung plötzlich ganz anders wirken.
Neben Talent braucht es noch weitere Attribute
Gute Grundgangarten oder ausgeprägtes Springvermögen bilden die Grundlage für eine sportliche Karriere. Doch beide Richter sind sich einig: Ohne die richtigen charakterlichen Eigenschaften kann ein Pferd sein Potenzial kaum vollständig entfalten.
Für Eva Lachat machen insbesondere Intelligenz und Leistungsbereitschaft den Unterschied. «Es gibt viele qualitätvolle Pferde, aber das nützt nichts, wenn sie nicht mitmachen.» Auch Rittigkeit, Gleichgewicht und ein klarer Kopf sind für sie entscheidend.
Stefan Meierhans betont ebenfalls die Bedeutung des Charakters. Ein Springpferd müsse neben Talent, guten Reflexen und Technik auch Mut, Leistungsbereitschaft und Kampfgeist mitbringen. Erst das Zusammenspiel dieser Eigenschaften mache ein gutes Sportpferd aus.
«Man muss das Pferd auch in der Bewegung sehen».
Stefan Meierhans
Was lässt sich bei einem dreijährigen Pferd bereits erkennen?
Die Swiss Breed Classic bietet die Gelegenheit, die natürlichen Anlagen junger Pferde zu beurteilen. Doch wie viel lässt sich in diesem Alter bereits über ihre Zukunft sagen?
Eva Lachat achtet besonders auf die natürliche Bewegungsqualität, das Gleichgewicht und die Stabilität. Spektakuläre Bewegungen allein reichen ihr nicht. Entscheidend sei, dass ein Pferd seinen Körper stabilisieren und sich ausbalanciert bewegen könne.
Beim Freispringen beurteilt Stefan Meierhans neben Springvermögen und Technik insbesondere Mut, Vorsicht und Übersicht. Wie reagiert ein Pferd auf eine unbekannte Umgebung? Kann es seine Distanzen bereits selbstständig einschätzen? Solche Beobachtungen geben wertvolle Hinweise auf seine natürlichen Anlagen.
Beide Richter weisen darauf hin, dass die Entwicklung eines Pferdes mit drei Jahren noch lange nicht abgeschlossen ist. Ausbildung, Erfahrung und individuelle Reife prägen massgeblich, wie sich ein Pferd weiterentwickelt und welches Potenzial es später entfalten kann.
Gesundheit als Grundlage einer erfolgreichen Zucht
Neben den sportlichen Anlagen spielt das Exterieur eine wichtige Rolle für die langfristige Gesundheit und Belastbarkeit.
«Ein gutes Fundament ist sicher ein grosser Vorteil für die Gesunderhaltung der Pferde», erklärt Eva Lachat. Ein korrekter Körperbau erleichtere zudem die Ausbildung. Auch Stefan Meierhans unterstreicht, dass Fehlstellungen den Verschleiss erhöhen können und ein funktioneller Körperbau die Voraussetzungen für eine lange sportliche Laufbahn verbessert.
Bei der Zuchtplanung sind sich beide einig: Gute Mutterlinien und eine durchdachte Hengstwahl bilden eine wichtige Grundlage. Entscheidend ist, dass Hengst und Stute zusammenpassen und sich ihre Eigenschaften sinnvoll ergänzen.
Moderne Pferdezucht zwischen Spezialisierung und Rittigkeit
Die Anforderungen an moderne Sportpferde haben sich verändert. Besonders im Springsport beobachtet Stefan Meierhans eine zunehmende Spezialisierung. Während früher das vielseitige Reitpferd im Mittelpunkt stand, setzen gewisse Zuchtverbände heute gezielt auf aussergewöhnliches Springvermögen.
Eva Lachat stellt fest, dass Pferde heute oft sportlicher, beweglicher und sensibler geworden sind. Nicht jedes spektakulär veranlagte Pferd sei jedoch automatisch einfach auszubilden oder zu reiten.
Ihr persönliches Zuchtziel bleibt deshalb klar: gesunde, harmonisch gebaute Pferde mit guten Grundgangarten, einem unkomplizierten Charakter und hoher Rittigkeit – Pferde, die auch Amateurinnen und Amateuren Freude bereiten.
«Die Geschwindigkeit der Ausbildung bestimmt immer das Pferd und die Zeit kann man nicht durch Abkürzungen überspringen».
Eva Lachat
Die Entwicklung bestimmt das Pferd
Ein Thema liegt beiden Richtern besonders am Herzen: Junge Pferde brauchen Zeit, um sich körperlich und mental zu entwickeln.
Gerade bei talentierten Nachwuchspferden sei die Versuchung gross, früh zu viel zu verlangen, erklärt Eva Lachat. Sie setzt deshalb auf eine vielseitige Ausbildung mit bewussten Erholungsphasen. Auch Stefan Meierhans betont, wie wichtig eine sorgfältige, individuell angepasste Ausbildung für die langfristige Entwicklung und Gesundheit ist.
«Die Geschwindigkeit der Ausbildung bestimmt immer das Pferd und die Zeit kann man nicht durch Abkürzungen überspringen», fasst Eva Lachat zusammen. Eine Überzeugung, die auch Stefan Meierhans teilt.
Swiss Breed Classic 2026: Die Talente von morgen entdecken
Was zeichnet ein gutes Nachwuchspferd aus? Für Eva Lachat und Stefan Meierhans müssen natürliche Qualität, Gesundheit, Leistungsbereitschaft und Charakter zusammenpassen.
Die Swiss Breed Classic 2026 bietet die Gelegenheit, diese Eigenschaften bei den jungen Pferden zu entdecken. Dabei zählt nicht nur, was sie heute zeigen, sondern vor allem das Potenzial, das sie mit Geduld und einer sorgfältigen Ausbildung in Zukunft entfalten können.