Nutztier oder Heimtier – was der Status bedeutet

Nutztier oder Heimtier? Diese Entscheidung betrifft weit mehr als den Status eines einzelnen Pferdes. Die Begriffe «Nutztier» und «Heimtier» betreffen in diesem Zusammenhang in erster Linie das Tierarzneimittel- und Lebensmittelrecht. Während der Nutztierstatus bestimmte Handlungsspielräume offenhält, ist der Wechsel zum Heimtierstatus endgültig.

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In der Schweiz werden zunehmend Equiden als Heimtiere statt als Nutztiere registriert. Die Entscheidung ist deshalb nicht nur eine Frage der persönlichen Haltung zum Tier. Sie hat konkrete rechtliche Folgen für die medizinische Behandlung und die Lebensmittelkette. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Bedeutung eine langfristige Verschiebung hin zum Heimtierstatus für die politische Wahrnehmung des Pferdes und seine Stellung in der Landwirtschaft haben könnte.

Drei Punkte sind entscheidend:

  • Der Nutztierstatus bedeutet keine Schlachtungspflicht. Ein Nutztier kann jederzeit euthanasiert werden. Eine Schlachtung zur Lebensmittelgewinnung ist jedoch nur möglich, wenn sämtliche arzneimittelrechtlichen Vorgaben und Absetzfristen eingehalten sind.
  • Der Heimtierstatus ist endgültig. Ein als Heimtier registriertes Pferd kann nicht wieder zum Nutztier werden.
  • Die Begriffe Nutztier und Heimtier sagen nichts über die tatsächliche Nutzung oder den Wert eines Pferdes aus. Sie bestimmen insbesondere, welche Regeln für die Behandlung mit Tierarzneimitteln und für die Lebensmittelkette gelten.

Was unterscheidet die beiden Status?

Die Einstufung erfolgt im Zusammenhang mit dem Tierarzneimittel- und Lebensmittelrecht und wird in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) sowie im Equidenpass festgehalten. Entscheidend ist, ob das Pferd grundsätzlich für die menschliche Lebensmittelkette zugelassen bleibt. Die tatsächliche Nutzung – etwa im Sport, in der Freizeit, in der Zucht oder in der Therapie – ist für diese Einstufung nicht ausschlaggebend.

Wichtig ist dabei eine begriffliche Unterscheidung: Die Bezeichnungen «Nutztier» und «Heimtier» im Sinne der Tierarzneimittelverordnung betreffen die Lebensmittelkette. Nach der Landwirtschaftsgesetzgebung gelten Equiden weiterhin als Nutztiere.

Nutztier

Equiden werden grundsätzlich mit Nutztierstatus registriert. Der Status kann später einmalig in «Heimtier» geändert werden. Beim Nutztier bleibt das Pferd grundsätzlich für die Lebensmittelgewinnung zugelassen. Für seine Behandlung gelten deshalb besondere arzneimittelrechtliche Vorgaben, unter anderem hinsichtlich der zulässigen Medikamente, der Dokumentation und der einzuhaltenden Absetzfristen.

Ein Nutztier muss jedoch keineswegs geschlachtet werden. Es kann jederzeit euthanasiert werden. Eine Schlachtung zur Lebensmittelgewinnung ist nur möglich, wenn die geltenden arzneimittelrechtlichen Vorgaben und Absetzfristen eingehalten sind.

Heimtier

Mit dem Heimtierstatus wird das Pferd endgültig aus der Lebensmittelkette ausgeschlossen. Der Status kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Bei der medizinischen Behandlung besteht dadurch eine grössere therapeutische Freiheit. Gleichzeitig gelten die allgemeinen Melde-, Identifikations- und Passpflichten weiterhin. Treffender als von «weniger administrativem Aufwand» zu sprechen, ist deshalb: Es bestehen weniger Vorgaben bei der Behandlungsdokumentation.

Ein späterer Wechsel zurück zum Nutztier ist nicht möglich.

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Lebensende

Der Nutztierstatus bietet grundsätzlich mehr Möglichkeiten am Lebensende: Das Pferd kann euthanasiert oder – sofern alle arzneimittelrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind – geschlachtet werden.

Beim Heimtier bleibt die Euthanasie als Möglichkeit. Der Status allein entbindet den Eigentümer jedoch nicht von der Verantwortung, am Lebensende im Interesse des Tieres den richtigen Entscheid zu treffen. Auch die tierärztliche Beratung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Unabhängig vom Status sollte zudem bedacht werden, dass die Entsorgung eines euthanasierten Pferdes organisatorisch und finanziell anspruchsvoll sein kann. Die damit verbundenen Folgekosten werden bei einer Umtragung vom Nutztier zum Heimtier häufig unterschätzt. Deshalb lohnt es sich, sich bereits vor einer solchen Entscheidung auch mit den möglichen Konsequenzen und Kosten am Lebensende auseinanderzusetzen.

Bedeutung für die Pferdebranche

Der Heimtierstatus hat heute primär Folgen für die medizinische Behandlung und die Lebensmittelkette. Wenn jedoch dauerhaft eine klare Mehrheit der Pferde als Heimtiere eingestuft wird, kann dies die politische Wahrnehmung des Pferdes verändern. Langfristig könnte dadurch seine Stellung in der Landwirtschaft unter Druck geraten.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Der Heimtierstatus eines einzelnen Pferdes führt heute für sich allein weder zum Ausschluss von Direktzahlungen noch zum Verlust raumplanerischer Möglichkeiten. Entscheidend sind die jeweiligen landwirtschafts- und raumplanungsrechtlichen Voraussetzungen.

Auch die Begriffe «Nutztier» und «Heimtier» im Sinne der Tierarzneimittelverordnung sind nicht mit der landwirtschaftsrechtlichen Einordnung gleichzusetzen. Nach geltendem Landwirtschaftsrecht gelten Equiden weiterhin als Nutztiere.

Pferde und Landwirtschaft

Pferde spielen weiterhin eine Rolle in der Schweizer Landwirtschaft. Die Pferdehaltung kann zur Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe beitragen. Insbesondere die Pensionspferdehaltung kann für Landwirtschaftsbetriebe eine zusätzliche und planbare Einkommensquelle darstellen.

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Gesellschaftlicher Wandel

Die Entwicklung des Status lässt sich inzwischen klar belegen. Seit Ende 2023 gibt es in der Schweiz mehr als Heimtiere registrierte Equiden als Nutztiere. In den Agroscope-Kennzahlen für 2024 werden 51,6 Prozent Heimtiere und 48,4 Prozent Nutztiere ausgewiesen.

Die Entwicklung zeigt, dass sich der Status des Pferdes zunehmend im Spannungsfeld zwischen rechtlicher Definition, gesellschaftlicher Wahrnehmung und wirtschaftlicher Realität bewegt.

Dabei ist nochmals festzuhalten: Die Einstufung als Heim- oder Nutztier nach der Tierarzneimittelverordnung beschreibt nicht die alltägliche Nutzung des Pferdes. Ein Sport-, Freizeit- oder Therapiepferd kann grundsätzlich als Nutztier oder als Heimtier registriert sein.

Fazit

Der Nutztierstatus sagt nichts über die Wertschätzung oder die tatsächliche Nutzung eines Pferdes aus. Er hält jedoch mehr Möglichkeiten offen. Wer den Status ändert, sollte wissen, dass dieser Entscheid endgültig ist.

Gleichzeitig liegt es im Interesse der Pferdebranche, die Bedeutung des Pferdes für die Landwirtschaft, die Grünlandpflege und die ländliche Wertschöpfung sichtbar zu machen.

Die Entscheidung über den Status sollte deshalb gut informiert und mit Blick auf die konkreten Folgen für das einzelne Pferd getroffen werden – ohne den Nutztierstatus mit einer bestimmten Haltung gegenüber dem Tier gleichzusetzen.