Im Dienste des Pferdewohls – Der Tierarzt der Schweizer Mannschaft beim Longines CSIO in St. Gallen

Wenn die weltbesten Reiterinnen und Reiter beim Longines CSIO in St. Gallen gegeneinander antreten, richtet sich die Aufmerksamkeit meist auf die sportlichen Höchstleistungen, die Präzision und die Emotionen im Parcours. Doch hinter jedem erfolgreichen Turnier verbirgt sich ein unsichtbares Netzwerk von Fachleuten, die für den Schutz des wichtigsten Elements dieses Sports sorgen: das Pferd. Auch der Tierarzt des Schweizer Springreit-Teams, David Aebischer, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der Teamveterinär David Aebischer (rechts) im Gespräch mit Equipenchef Peter van de Waaj (Mitte).

David Aebischers Aufgabe beginnt lange bevor das erste Pferd über das erste Hindernis springt. Als Tierarzt der Schweizer Mannschaft ist er auch veterinärmedizinischer Berater des Equipenchefs Peter van de Waaj, beteiligt sich an der Betreuung der Pferde im Vorfeld der Selektionen und bringt sein medizinisches Fachwissen in die sportliche Betreuung ein. «Sobald alle Schweizer Pferde eingetroffen sind, beobachte ich sie und spreche mit den Reiterinnen und Reitern sowie ihren Grooms. Die zentralen Fragen lauten: Wie verliefen die bisherigen Trainings? Und wie verlief der Transport?» Im Vorfeld des Wettkampfs tauscht sich der Teamveterinär zudem mit den behandelnden Tierärzten der Pferde aus, um eventuelle medizinische Schwerpunkte zu kennen und vor Ort eine optimale Betreuung zu gewährleisten.

Diese Zusammenarbeit basiert auf einem Vertrauensverhältnis und der strikten Wahrung der Vertraulichkeit der medizinischen Unterlagen. Tatsächlich werden die Pferde, noch bevor sie zum Start zugelassen werden, von den offiziellen Tierärzten der Veranstaltung sorgfältig untersucht. Ihr Allgemeinzustand, ihre Bewegungsabläufe und ihre Vitalwerte werden überprüft, um sicherzustellen, dass die Tiere unter optimalen Bedingungen am Wettkampf teilnehmen. Diese «Vet-Checks» gehören zu den wichtigsten Momenten eines 5*-Turniers: Sie gewährleisten Fairness im Sport und schützen gleichzeitig die Gesundheit der Pferde. Während dieser Abläufe achtet der Mannschaftstierarzt zudem auf die Einhaltung der veterinärmedizinischen Vorschriften der FEI und begleitet die Reiter sowie die Grooms bei den verschiedenen offiziellen Inspektionen.

Überwachung und Kontrolle rund um die Uhr

Doch das Gesundheitsmanagement endet nicht nach der Eingangskontrolle. Während des gesamten Turniers begleitet der Mannschaftstierarzt die vierbeinigen Athleten sowie deren Grooms und Reiter. Seine Rolle geht weit über die reine medizinische Betreuung hinaus. Dank seiner Kenntnis der ausgewählten Pferde und des regelmässigen Austauschs mit den Grooms gewährleistet er eine individuelle Betreuung jedes einzelnen Athleten, um selbst kleinste Veränderungen im Verhalten oder in der körperlichen Verfassung schnell zu erkennen. Er überwacht das Training, die Erholung und das allgemeine Wohlbefinden der Pferde. Auf höchstem internationalem Niveau ist jedes Detail entscheidend: Ausreichende Ruhezeiten, optimale Stallbedingungen, eine angepasste Ernährung und – falls nötig – eine schnelle tierärztliche Versorgung müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Die Verletzungsprävention ist ein weiterer zentraler Aspekt. Moderne Turniere setzen heute auf höchste Standards in Bezug auf Bodenqualität, Trainingsmanagement und Belastungskontrolle. Der Mannschaftstierarzt beobachtet aufmerksam die Bewegungen der Pferde, erkennt mögliche Warnzeichen frühzeitig und kann eingreifen, bevor aus einer kleinen Anomalie ein ernstes Problem wird.

«Prävention beschränkt sich nicht auf eine einfache medizinische Kontrolle, sondern erfordert auch ein tiefgreifendes Verständnis für das Zusammenspiel von Training, Technik, Psyche und Physiologie des Pferdes – natürlich immer in Zusammenarbeit mit denjenigen, die jedes Pferd am besten kennen und täglich Zeit mit ihm verbringen», fügt David hinzu.

Diese enge Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Groom, Reiter und behandelndem Tierarzt ist ein wesentlicher Bestandteil des Schweizer Systems und ermöglicht eine lückenlose Betreuung des Pferdes vor, während und nach den Wettkämpfen. «Wir haben das Glück, auf Pferde von sehr hohem Niveau sowie auf besonders kompetente Tierärzte zählen zu können. Diese Qualität der Zusammenarbeit ist ein echter Gewinn für den Schweizer Pferdesport», betont David Aebischer.

Für den Mannschaftstierarzt ist der Longines CSIO in St. Gallen daher weit mehr als nur ein sportliches Ereignis. Es ist eine Verantwortung gegenüber den Pferden und ein tägliches Engagement dafür, dass Spitzensport und das Wohlbefinden der Pferde Hand in Hand gehen. Nach Abschluss des Turniers werden die während des Wettbewerbs gemachten Beobachtungen auch an die behandelnden Tierärzte weitergeleitet, um die Kontinuität der Betreuung zu Hause zu gewährleisten und die besten Voraussetzungen für den weiteren Verlauf der Saison zu schaffen.