Stefanie, der Schweizer Final Tag der Jugend findet 2026 zum achten Mal statt. Was bedeutet dir dieser Anlass persönlich?
Der Schweizer Final ist für mich jedes Jahr ein emotionales Highlight. Ich habe ihn 2018 eigentlich aus einer spontanen Idee heraus ins Leben gerufen. Dass wir nun wieder nach Dielsdorf zurückkehren, wo damals alles begonnen hat, ist für mich besonders schön. Damit schliesst sich gewissermassen ein Kreis.
Wir begleiten die Kinder seit Februar durch die gesamte Saison und erleben ihre Fortschritte mit. Für viele ist die Teilnahme am Schweizer Final das grosse Ziel. Allein im OKV verzeichnen wir während der Saison rund 1000 Starts. Am Regionalfinal des OKV nehmen 90 Kinder teil, von denen sich lediglich 28 für den Schweizer Final qualifizieren. An diesem gehen 90 Reiter:innen aus der ganzen Schweiz an den Start. Wer es dorthin schafft, hat bereits eine beeindruckende Leistung erbracht.
Was macht den Tag der Jugend und den Swiss Juniors Cup für dich so einzigartig?
Ganz klar der Zusammenhalt! Man begegnet sich während der Saison immer wieder, lernt die Kinder, ihre Pferde und Familien kennen und verfolgt ihre Entwicklung. Daraus entstehen Freundschaften, die oft weit über den Sport hinausgehen.
Ich habe das selbst erlebt, als ich noch am Tag der Jugend teilgenommen habe. Menschen, die man damals kennengelernt hat, trifft man Jahre später im Erwachsenensport wieder. Diese gemeinsamen Erlebnisse verbinden ein Leben lang.
«Ohne engagierte Menschen wäre das alles nicht möglich»
Hinter einem solchen Final steckt viel Arbeit. Was sind die grössten Herausforderungen?
Die Planung beginnt rund ein Jahr im Voraus. Zunächst braucht es einen geeigneten Veranstaltungsort. Mit dem Horsepark in Dielsdorf und dem organisierenden Verein Horse Masters haben wir ideale Bedingungen: zwei grosse Reithallen, feste Boxen und die nötige Infrastruktur wie das nötige Knowhow.
Danach geht es darum, Sponsoren zu gewinnen, Richterinnen und Richter zu organisieren, Zeitpläne zu erstellen und genügend Helfende zu finden. Gerade Letzteres wird zunehmend schwieriger. Für einen solchen Anlass braucht es schnell 20 bis 30 Helferinnen und Helfer pro Tag. Ohne ein eingespieltes Team wäre die Durchführung nicht möglich.
Du bist während der gesamten Saison für den Nachwuchs im Einsatz. Wie sieht dein Engagement konkret aus?
Eigentlich gibt es kaum eine Pause. Bereits im Herbst koordinieren wir die Turnierdaten für die nächste Saison und suchen Veranstalter. Ab März beginnen die Qualifikationsprüfungen. Ich erfasse laufend die Resultate und erstelle die Ranglisten.
Gleichzeitig besuchen wir die Turniere, beraten Teilnehmende und unterstützen die Veranstalter. Uns ist wichtig, persönlich präsent zu sein und als Ansprechpersonen wahrgenommen zu werden.
«Ein Schulpferd kann genauso auf dem Podest stehen wie ein Privatpferd»
Du erlebst jedes Jahr zahlreiche junge Dressurtalente. Was zeichnet die heutige Nachwuchsgeneration aus?
Mich beeindruckt vor allem ihre Leidenschaft. Die Kinder bringen unglaublich viel Freude am Pferd, Ehrgeiz und Engagement mit.
Besonders schön finde ich die Vielfalt. Einerseits nehmen Kinder mit ihren Reitschulen und Schulpferden teil, andererseits solche mit eigenen Pferden. Beide treten unter denselben Bedingungen gegeneinander an. Wir erleben immer wieder, dass auch Schulpferde ganz vorne mitmischen und auf dem Podest stehen.
Viele der jungen Reiterinnen und Reiter sind zudem vielseitig unterwegs, beispielsweise im Springen, im Eventing oder im Freizeitreiten. Diese Offenheit finde ich sehr wertvoll.
Was braucht es deiner Meinung nach, um im Pferdesport erfolgreich zu sein?
Talent ist sicher hilfreich, aber Talent allein reicht nicht. Es braucht Leidenschaft, Ausdauer, Ehrgeiz und die Bereitschaft, viel Zeit zu investieren.
Der Pferdesport ist ein zeitintensives Hobby. Wer weiterkommen möchte, muss auch dann dranbleiben, wenn nicht alles nach Wunsch läuft. Ich bin überzeugt, dass diejenigen, die mit echter Freude und Hingabe dabei sind, sehr viel erreichen können.
«Diese Emotionen machen für mich den Pferdesport aus»
Welcher Moment berührt dich am Schweizer Final jeweils am meisten?
Ganz klar die Siegerehrungen der Finalprüfungen, welche beritten sind. Besonders emotional wird es, wenn ich bei den berittenen Siegerehrungen, den Podestreiter:innen ihre Siegerdecken überreichen darf.
Das geschieht oft etwas abseits des grossen Trubels. Wenn die Kinder, ihre Familien und ihre Betreuerinnen und Betreuer realisieren, was sie gemeinsam erreicht haben, fliessen nicht selten Freudentränen.
Diese ehrlichen Emotionen berühren mich jedes Mal aufs Neue. Genau solche Augenblicke zeigen mir, weshalb sich die ganze Arbeit lohnt.
Was möchtest du jungen Reiterinnen und Reitern mitgeben, die davon träumen, einmal am Schweizer Final teilzunehmen?
Gebt eure Träume niemals auf! Trainiert weiter, habt Freude an euren Pferden und setzt euch nicht zu sehr unter Druck.
Ich beobachte immer wieder, dass die besten Resultate dann entstehen, wenn die Kinder locker bleiben und einfach ihr Bestes geben. Manchmal kommt die Qualifikation genau an dem Tag, an dem man am wenigsten damit gerechnet hat.
«Freude am Pferd und ein fairer Umgang miteinander stehen im Mittelpunkt»
Welche Rolle spielen die Reitschulen, Vereine und Familien für den Tag der Jugend?
Sie bilden das Fundament der ganzen Turnierserie. Hinter jedem Anlass stehen engagierte Reitlehrerinnen und Reitlehrer, J+S-Leitende, Eltern, Vereine und zahlreiche Freiwillige.
Besonders die Reitschulen leisten einen wichtigen Beitrag, weil sie auch Kindern ohne eigenes Pferd den Zugang zum Turniersport ermöglichen.
Unsere Philosophie ist einfach: Freude am Pferd, Freude am Turnierreiten und ein fairer, respektvoller Umgang miteinander. Dass diese Werte von allen Beteiligten gelebt werden, macht den Tag der Jugend so besonders.
Worauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher am Schweizer Final Tag der Jugend 2026 am Advents Masters in Dielsdorf freuen?
Wir möchten einen kleinen Adventszauber schaffen und den Saisonabschluss in einer vorweihnachtlichen Atmosphäre feiern.
Sportlich dürfen wir uns auf die besten Nachwuchsreiterinnen und Nachwuchsreiter unter 18 Jahren aus der ganzen Schweiz freuen, die in vier Kategorien am Final Tag der Jugend und zwei Kategorien am Swiss Juniors Cup Final gegeneinander antreten. Ich erwarte ein sehr hohes Niveau, spannende Wettkämpfe, einige Überraschungen und natürlich grosse Emotionen.
Deshalb mein Aufruf: Zieht euch Ende November eine warme Jacke an, kommt nach Dielsdorf und erlebt selbst, mit wie viel Begeisterung unsere jungen Talente dabei sind. Es lohnt sich!