Zwischen Sattel, Stall und Militärdienst: Reitausbildung bei der Armee

Täglich im Sattel, intensive Ausbildung und eine besondere Verantwortung für den Partner Pferd: Die Reitausbildung bei der Armee verlangt den Rekruten einiges ab. Innerhalb weniger Wochen lernen sie nicht nur, sicher mit Warmblütern und Freibergern umzugehen, sondern auch, ihre reiterlichen Fähigkeiten im militärischen Umfeld einzusetzen.

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– Gastbeitrag –

Die ersten Ausbildungstage sind für die Rekruten eine intensive Zeit: Neue Abläufe, militärische Anforderungen und die Arbeit mit den Pferden müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Dabei geht es um weit mehr als das Reiten allein. Konzentration, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitiges Vertrauen sind ebenso gefragt. Wie die Ausbildung aufgebaut ist und wie sich der Einstieg aus Sicht eines Rekruten anfühlt, erzählen Ausbildungsleiter und Instruktor Sandro Tedeschi sowie Rekrut Renato Keller im Interview.

Sandro Tedeschi, was macht die Reitausbildung der Armee besonders? Was beinhaltet sie?

Die Reitausbildung ist sehr intensiv und kompakt. Die Rekruten reiten in der Regel ein- bis zweimal pro Tag. Zu Beginn absolvieren sie klassische Reitstunden auf Warmblütern. Später geht es mit den Freibergern ins Gelände – mit Patrouillenreitersattel und Vollpackung.

Besonders ist auch, dass wir mit den selektionierten Rekruten die Ausbildung innerhalb von sechs Wochen mit dem Diplom und dem Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» abschliessen.

Welche Fähigkeiten sollen die Teilnehmenden zu Beginn der Ausbildung mitbringen?

Ideal ist es, wenn die Rekruten bereits über Reiterfahrung verfügen. Noch besser ist es natürlich, wenn sie bereits ein Diplom, ein Brevet oder eine Lizenz besitzen. Ebenso wichtig sind eine gute Grundmotivation und Freude am Reiten.

Wie sieht ein typischer Ausbildungstag aus?

Das ist schwierig zu beantworten, weil jeder Tag etwas anders aussieht. Grob zusammengefasst beginnt der Morgen mit der militärischen Grundausbildung, kombiniert mit Fachdienst ohne Pferd. Dabei werden Grundlagen vermittelt, die später auch auf dem Pferd angewendet werden. Ebenfalls am Morgen findet die Reitausbildung bei unserer Reitlehrerin statt.

Am Nachmittag werden die erlernten Grundlagen im Gelände mit den Freibergern praktisch umgesetzt. Das Abendprogramm variiert je nach Ausbildungsstand und Programm der Kompanie.

Eines bleibt jedoch konstant: Es wird jeden Tag geritten, und auch der tägliche Stalldienst gehört fest zur Ausbildung.

Was überrascht die Teilnehmenden am häufigsten?

Für viele Rekruten ist das Resultat der Selektion eine Überraschung. Häufig schätzen sie ihre eigenen Reitkenntnisse höher ein, als sie in der Praxis tatsächlich sind. Die Einschätzung von aussen führt deshalb nicht selten zu einem Aha-Effekt. Gleichzeitig bietet sie eine gute Grundlage, um gezielt an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten.

Wie geht es nun für die Teilnehmenden und die Pferde weiter?

Die Rekruten setzen ihre Reitausbildung unter der Leitung unserer Reitlehrerin fort und entwickeln ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt weiter. Gerade in dieser Phase entsteht auch die wichtige Verbindung zwischen Reiter und Pferd. Vertrauen, gegenseitiger Respekt und das Kennenlernen des Pferdes spielen dabei eine zentrale Rolle.

Renato Keller, warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

Ich bin mit Pferden aufgewachsen und arbeite sehr gerne mit ihnen. Zudem habe ich die Lehre als Landwirt EFZ abgeschlossen und bin es gewohnt, in der Natur und mit Tieren zu arbeiten. Deshalb hat diese Ausbildung für mich sehr gut gepasst.

Worauf freust du dich am meisten – und wovor hast du am meisten Respekt?

Das Reiten und das Schiessen machen mir am meisten Freude. Gleichzeitig habe ich vor beidem grossen Respekt, weil man konzentriert sein muss und sich keine Fehler erlauben darf.

Wie war dein erster Kontakt mit deinem Pferd?

Das Pferd, das mir zugeteilt wurde, gefällt mir sehr gut, auch wenn es manchmal etwas herausfordernd ist.

Was glaubst du, wird die grösste Herausforderung für dich, dein Pferd oder euch beide?

Ich denke, die grösste Herausforderung für uns wird sein, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig muss ich darauf achten, mir den nötigen Respekt meines Pferdes zu erarbeiten. Für mich gehören Vertrauen und Respekt zusammen.

Was hast du in den ersten Stunden bereits über dein zugewiesenes Pferd gelernt?

Bisher hatte ich vor allem Kontakt mit den Warmblütern, die wir für die Reitausbildung nutzen. Mein zugeteiltes Pferd heisst Comlui, ist sechs Jahre alt und ein Warmblut. Ich habe bereits gemerkt, dass er manchmal etwas frech sein kann und gerne seine Grenzen austestet.

Was nimmst du aus den ersten Ausbildungstagen mit?

Man muss jederzeit aufmerksam und mit dem Kopf bei der Sache sein. Pferde können auf unterschiedliche Situationen oder Einflüsse schreckhaft reagieren. Deshalb sind Konzentration und ein bewusster Umgang mit dem Pferd besonders wichtig – auch um Verletzungen zu vermeiden.

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, diese Ausbildung ebenfalls zu machen?

Wenn du bereits ein wenig Erfahrung mitbringst und gerne mit Tieren arbeitest, kann ich dir diese Ausbildung sehr empfehlen. Man lernt laufend Neues dazu und kann sich sowohl reiterlich als auch persönlich weiterentwickeln.