Auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften: «Wir planen in fünf Disziplinen mit kompletten Delegationen»

Auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften 2026 in Aachen sowie in München (Fahren Einspänner) und Al Ula (Endurance) sprechen wir mit den Equipenchefs und Verantwortlichen von Swiss Equestrian über die Vorbereitungen, Erwartungen und Herausforderungen. Den Auftakt macht Evelyne Niklaus, Sportmanagerin Olympische Disziplinen bei Swiss Equestrian. Sie blickt auf die Besonderheiten des traditionsreichen Austragungsortes und die anstehenden Selektionen der Schweizer Teams.

© Arnd Bronkhorst

Evelyne Niklaus, die Weltmeisterschaften kehren nach Aachen zurück. Was macht diesen Austragungsort so besonders?

Aachen steht für Pferdesport auf höchstem Niveau. Die Anlagen wurden in den vergangenen Jahren gezielt weiterentwickelt und an die heutigen Anforderungen angepasst. Gleichzeitig bleibt vieles erhalten, was sich bereits bewährt hat. Das Publikum erscheint extrem zahlreich und ist einzigartig, die Organisation hochprofessionell und die Atmosphäre unvergleichlich. Wir freuen uns sehr auf diesen Anlass!

Die letzte Weltmeisterschaft in Aachen fand vor genau 20 Jahren statt. Welche Erinnerungen kommen dabei auf?

2006 war eine besondere Weltmeisterschaft. Damals gewann die Schweizer Endurance-Equipe die Silbermedaille. Interessant ist auch, dass viele der damaligen Settings wieder aufgegriffen werden. So wird beispielsweise das Dressurviereck erneut im grossen Springstadion aufgebaut. Das sorgt für eine beeindruckende Kulisse und eine ganz spezielle Stimmung.

Wie präsentiert sich das Programm der Weltmeisterschaften 2026 in Aachen?

Die erste Woche steht im Zeichen der Dressur, der Voltige sowie der Vielseitigkeit. Die Dressurprüfungen der Vielseitigkeit finden auf dem Dressurplatz des Fahrstadions neben dem Hauptstadion auf Gras statt, während das Springen im Hauptstadion ausgetragen wird. In der zweiten Woche folgen die Springprüfungen sowie die Prüfungen der Vierspänner und der Para-Dressurreiter:innen. Ergänzt wird das Programm durch verschiedene Rahmenprüfungen, darunter auch Wettbewerbe für U25-Reiterinnen und -Reiter. Diese bieten jungen Talenten eine wertvolle Plattform.

Welche Neuerungen gibt es auf der Anlage?

Ein Teil der Stallungen wurde modernisiert und angepasst. Zudem wurde das Dressurstadion vorübergehend überdacht. Damit profitieren Athletinnen, Athleten und Pferde von noch besseren Bedingungen. In der ersten Woche gehen hier die Voltige-Athlet:innen an den Start, in der zweiten dann die Para-Dressur-Reiter:innen.

Endurance wird diesmal nicht Teil dieser Weltmeisterschaften in Aachen sein. Geplant ist die Austragung in Al Ula, Saudi-Arabien. Wegen der Nähe zu diversen Konfliktzonen ist dies jedoch unsicher. Wie ist der aktuelle Stand?

Nach der Austragung 2006 gehört Endurance diesmal nicht zum WM-Programm in Aachen. Auf FEI-Ebene wird derzeit diskutiert, ob die Weltmeisterschaften im November in Al Ula stattfinden werden, oder ob ein alternativer Austragungsort in Frage kommt. Hier stehen die definitiven Entscheidungen des internationalen Verbands FEI noch aus.

Wie laufen die Vorbereitungen bei Swiss Equestrian?

Man spürt deutlich, dass die Selektionen näher rücken. Der Druck nimmt zu und die Teams befinden sich in einer wichtigen Phase der Vorbereitung, sind gezielt am Trainieren und auch national und international an Sichtungs-Prüfungen am Start. Gleichzeitig herrscht grosse Vorfreude auf den Saisonhöhepunkt. In der Geschäftsstelle arbeiten unsere Teams intensiv an der gesamten Organisation rund um unsere Delegation. Dies reicht beispielsweise von der logistischen Organisation der Pferde über die der Athleten, Besitzer, unseres Stabs und der verschiedenen Begleitpersonen bis hin zur Kommunikation rund um die WM. Über die Selektionen und den Sport selbst hinaus gibt es bei einer solchen Veranstaltung zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Wir messen dem natürlich grosse Bedeutung bei und setzen zahlreiche Ressourcen in mehreren Abteilungen ein.

Welche Ziele verfolgt die Schweiz in Aachen?

Ein grosses Thema sind die Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Los Angeles. Die ersten Team-Quotenplätze für die drei olympischen Disziplinen – Dressur, Springen und Eventing – werden in Aachen vergeben. Entsprechend hoch ist die Bedeutung dieser Weltmeisterschaften für viele Nationen. Und wir hoffen natürlich auch auf die eine oder andere Medaille – aber hierzu folgen dann in der weiteren Vorbereitung die Einschätzungen der zuständigen Equipenchefs.

Mit welchen Delegationen plant Swiss Equestrian?

Aktuell planen wir in fünf Disziplinen mit kompletten Delegationen anzutreten: Dressur, Springen, Eventing, Voltige und Fahren. Eine Ausnahme bildet die Para-Dressur, wo wir derzeit mit ein bis eventuell zwei Einzelreiter:innen rechnen.

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Auf die volle Kulisse. Aachen lebt von seinen Zuschauerinnen und Zuschauern. Wenn die Tribünen gefüllt sind und die Schweizer Fans, die Swiss Equestrian Friends, mit ihrer roten Welle für Stimmung sorgen, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Wer dabei sein möchte, sollte sich beeilen – es sind nur noch wenige Tickets verfügbar.