«Wir wollen eine Woche lang den Dressursport feiern»

Die Schweizer Meisterschaften Dressur zählen zu den wichtigsten Veranstaltungen des nationalen Turnierkalenders. Für die Austragung in Hüntwangen vom 9. bis 14. Juni wurde innert kurzer Zeit eine Infrastruktur auf höchstem Niveau geschaffen. Im Interview spricht einer der OK-Präsidenten, Gilles Ngovan, über die Bedeutung des Anlasses, die Arbeit hinter den Kulissen und die Vision, Spitzensport und Publikum näher zusammenzubringen.

Gilles Ngovan, welche Bedeutung hat die Austragung der Schweizer Meisterschaft Dressur für Hüntwangen, die nationale und die regionale Pferdesportszene?

Die Schweizer Meisterschaften gehören zu den wichtigsten Veranstaltungen im nationalen Dressurkalender. Entsprechend hoch ist ihr sportlicher Stellenwert. Da das Turnier bereits früh in der Saison stattfindet, hat es zusätzlich eine wichtige Funktion als Sichtungs- und Selektionsturnier für die nationalen Kader. Für viele Reiterinnen und Reiter geht es deshalb nicht nur um Meisterschaftsmedaillen, sondern auch um eine Standortbestimmung im Hinblick auf die weitere Saison und internationale Einsätze.

Für die regionale Pferdesportszene bietet die Veranstaltung die Gelegenheit, Spitzensport auf höchstem Niveau aus nächster Nähe zu erleben. Der Anlass bringt die besten Dressurreiterinnen und Dressurreiter der Schweiz in die Region und macht Hüntwangen während einer Woche zum nationalen Zentrum des Dressursports. Gleichzeitig schaffen wir mit den Rahmenprüfungen eine Brücke zwischen Breiten- und Spitzensport und ermöglichen auch GA-, L- und M- Reiterinnen und -Reitern, in diesem besonderen Ambiente an den Start zu gehen.

 
Was waren die grössten organisatorischen Herausforderungen bei der Planung und Durchführung der Schweizer Meisterschaft, und wie haben Sie diese gemeistert?

 
Die grösste Herausforderung bestand darin, innert relativ kurzer Zeit eine Infrastruktur zu schaffen, die den Anforderungen einer Schweizer Meisterschaft gerecht wird und in der sich die Pferde, Reiterinnen und Reiter, Offizielle, Sponsoren, Partner und Besucher gleichermassen wohlfühlen. 
Dazu gehören unter anderem die Bereitstellung des Turnierplatzes, die Überdachung des Abreiteplatzes, das Erstellen von temporären Tribünen für die Zuschauer, die Gastronomie mit Café und Festwirtschaft, die digitale Infrastruktur sowie die gesamte Logistik rund um Anreise und die Stallzelte. Bewältigen konnten wir diese Aufgabe nur dank eines engagierten OKs, zahlreicher freiwilliger Helferinnen und Helfer sowie starker Partner und Sponsoren. Viele Beteiligte investieren seit Monaten unzählige Stunden in dieses Projekt. 

Wie gelingt es dem Organisationskomitee, die Bedürfnisse von Reiterinnen und Reitern, Pferdebesitzern, Sponsoren, Helfenden und Zuschauern gleichzeitig zu berücksichtigen? 

Aus unserer langjährigen Erfahrung im Organisieren von grossen Turnieren und unserer eigenen Verwurzlung in der Szene kennen wir die Bedürfnisse der unterschiedlichen Anspruchsgruppen und haben diese von Anfang an in die Planung miteinbezogen. Für die Reiterinnen und Reiter haben wir optimale sportliche Bedingungen geschaffen. Für die Pferde sind eine sichere Infrastruktur und gute Stallbedingungen entscheidend. Sponsoren erwarten Sichtbarkeit und ein professionelles Umfeld, während Helfende gute Arbeitsbedingungen benötigen. 
Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen sich wohlfühlen. Deshalb haben wir grossen Wert auf eine attraktive Tribüne, eine vielseitige Gastronomie mit Café und einer Festwirtschaft mit einem Spitzenkoch, Aufenthaltsbereiche und eine angenehme Atmosphäre gelegt. Unser Ziel ist es, einen Anlass durchzuführen, der nicht nur ein Sportwettkampf ist, sondern eine Woche lang den Dressursport feiert. 

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und das Wohl der Pferde bei der Organisation einer Veranstaltung dieser Grössenordnung, und welche konkreten Massnahmen werden umgesetzt?

Das Wohl der Pferde hat für uns oberste Priorität. Die gesamte Infrastruktur wird darauf ausgerichtet, den Pferden möglichst optimale Bedingungen zu bieten. Dazu gehört der temporäre Stallbereich mit grosszügigen Boxen und Platzverhältnissen. Den Abreiteplatz haben wir überdacht, um Pferd und Reiter je nach Wetter vor Regen oder Sonne zu schützen. Und die Wege zwischen den Stallungen, Vorbereitungsplätzen und der Prüfungsarena sind kurz. 
Auch Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema. Wo immer möglich arbeiten wir mit regionalen Partnern und Dienstleistern zusammen. Viele Elemente der Infrastruktur werden mehrfach genutzt oder stammen aus bestehenden Beständen. Zudem versuchen wir, Transportwege kurz zu halten und Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen. Wir sind überzeugt, dass grosse Sportveranstaltungen heute nur dann zukunftsfähig sind, wenn sie auch ökologische und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

 
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie könnte sich die Schweizer Meisterschaft Dressur in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiterentwickeln, und welche Vision hat das Organisationskomitee dafür?

 Für die Schweizer Meisterschaften selbst können wir nicht für die nächsten fünf bis zehn Jahre sprechen, da die Austragungsorte regelmässig wechseln. Für unsere Veranstaltung wünschen wir uns jedoch, dass sie 2026 und 2027 als sportlich hochstehender, professionell organisierter und gleichzeitig gastfreundlicher Anlass in Erinnerung bleibt. 
Unsere Vision ist es, den Dressursport einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen und zu zeigen, wie faszinierend die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd sein kann. Wenn Besucherinnen und Besucher nach Hause gehen und sagen, dass sie hochklassigen Sport erlebt, sich wohlgefühlt und gerne Zeit auf unserer Anlage verbracht haben, dann haben wir unser Ziel erreicht.