Wochenlange Planung trifft nun auf die entscheidende Phase der praktischen Umsetzung. Wenn in Avenches die ersten Pferde anreisen und einreiten, muss jedes Detail stimmen – und gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf die FEI Europameisterschaft 2027.
Danièle, das Turnier in Avenches gilt als der wichtigste Eventing-Anlass der Schweiz. Wie laufen die letzten Vorbereitungen?
Jetzt geht es vor allem um die Umsetzung. Vieles wurde lange geplant, nun muss alles in der Praxis funktionieren. Im Fokus steht seit zwei Wochen vermehrt die Bodenpflege: Wir wässern, walzen, gleichen Unebenheiten aus und bereiten den Boden so vor, dass die Pferde und ihre Reiterinnen und Reiter optimale Bedingungen vorfinden. Auch beobachten wir die Entwicklung des Wetters, und sind für alle Fälle bereit, sollte es wider Erwarten nicht abkühlen.
Dieser Anlass ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt in Richtung EM 2027. Welche Erkenntnisse möchtet ihr bereits in diesem Jahr gewinnen?
Natürlich testen wir bereits einiges. Die Course Designer probieren gewisse Sprungfolgen oder Geländeelemente aus. Aber sie verraten natürlich nicht, was davon vielleicht nächstes Jahr an der EM wieder auftaucht. Ein bisschen Überraschung muss bleiben.
Gibt es bereits Anpassungen mit Blick auf die EM?
Ja, die Course Designer beschäftigen sich bereits jetzt intensiv mit der Topografie des IENA-Geländes. Hinter den Kulissen testen sie beispielsweise Geländepassagen mit kleinen Hügeln. Ein Sprung verändert seinen Charakter komplett, wenn er bergauf oder bergab geritten werden muss. In diesem Jahr bleibt die Strecke aber bewusst noch auf dem traditionell bestehenden Geläuf.
Was braucht es, damit Avenches 2027 beste Voraussetzungen für eine Europameisterschaft bieten kann?
Eine tolle Infrastruktur ist vorhanden – das ist unsere grosse Stärke. Gleichzeitig ist eine Europameisterschaft vor allem ein enormer finanzieller Kraftakt. Deshalb brauchen wir Sponsoren und Partner. Genauso wichtig sind aber auch all die freiwilligen Helferinnen und Helfer. Ohne sie wäre ein Anlass dieser Grössenordnung gar nicht möglich.
Rund 100 Helferinnen und Helfer stehen diese Woche im Einsatz. Was bedeutet ihr Engagement für euch?
Sehr viel. Ihre Arbeit ist schlicht unbezahlbar. Vor allem aber bringen die Helferinnen und Helfer Herzblut und Leidenschaft fürs Swiss Eventing mit. Dafür sind wir unglaublich dankbar! Mit einem gemeinsamen Abend mit dem Schweizer Team sowie Swiss Eventing-Passionierten möchten wir ihnen etwas zurückgeben und unsere Wertschätzung zeigen.
Was geht dir durch den Kopf, wenn am ersten Turniertag alles zum Leben erwacht?
Dann klingeln zwar gefühlt hundert Telefone simultan (lacht). Aber gleichzeitig empfinde ich vor allem Stolz und Dankbarkeit, dass wir es gemeinsam bis hierhin geschafft haben und dank einem tollen Team für alle Herausforderungen immer diverse Lösungen finden und bieten.
Gibt es einen Moment aus den vergangenen Jahren, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Natürlich bleiben die Siege des Schweizer Teams im Nationenpreis in Erinnerung. Genauso beeindruckend ist für mich aber auch, wie sich alle Beteiligten immer wieder zusammenschliessen und Herausforderungen gemeinsam meistern. Genau dieser Teamgeist zeichnet unsere Community «Swiss Eventing» aus.
Du sprichst oft von einer besonderen Kultur bei Swiss Eventing. Was meinst du damit?
Wir haben über die Jahre eine Kultur geschaffen, auf die wir stolz sein dürfen. Die Menschen identifizieren sich mit Swiss Eventing und tragen das rote Schweizer Teamshirt mit Stolz. Auch die Europameisterschaft soll deshalb kein Projekt einzelner Personen sein, sondern eines der ganzen Schweizer Eventing-Familie.
Auch die Zusammenarbeit mit dem IENA hebst du besonders hervor.
Ja, unbedingt. Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Die Leiterin des IENA und ihre Mitarbeitenden engagieren sich mit grossem Einsatz und versuchen, die anfallenden Probleme lösungsorientiert und gemeinsam mit uns anzugehen. Dieses Engagement verdient grosse Wertschätzung. Was hier vielleicht noch erwähnt werden sollte, ist, dass wir diesen Nations Cup zum ersten Mal in einer neuen Konstellation organisieren: Organisiert wird dieser Anlass nicht mehr wie die Jahre zuvor durch IENA allein, sondern neu zeichnet der Verein Swiss Eventing PRO verantwortlich – in enger Zusammenarbeit mit IENA.
Wenn du an die Europameisterschaft 2027 denkst – welches Bild hast du vor Augen?
Ich wünsche mir hochstehenden Sport mit einem starken Schweizer Team. Gleichzeitig soll die Europameisterschaft weit mehr sein als ein Pferdesportanlass – sie soll ein Fest für den Sport ganz allgemein und diese spezielle Region in der Romandie werden.
Fokus auf die WM in Aachen
Für die Schweizer Equipe ist das Eventing-Turnier in Avenches weit mehr als ein Heimwettkampf. Der Anlass dient auch als wichtiger Formtest und als gezielte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Aachen.
Equipenchef Dominik Burger ordnet die sportliche Bedeutung so ein: «Für uns hat das Turnier in Avenches klar aus emotionaler, aber auch aus sportlicher Sicht einen sehr hohen Stellenwert. Es ist ja auch die Schweizermeisterschaft der Elite und die 2*- und 3*-Prüfung jene der Jungen Reiter. Der CCIO Avenches beinhaltet dieses Jahr aber gleichzeitig auch die gezielte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Aachen in vier Wochen – deshalb setzen wir unsere Schweizer Paare mit Blick auf die gesamte Saison, ihre Entwicklung und ganz individuell angepasst an ihre Bedürfnisse ein. Im Vordergrund stehen somit nicht ihre einzelnen Resultate, sondern die optimale Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. In Aachen werden schliesslich neben Medaillen auch die ersten Team-Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles vergeben. Aber wir freuen uns riesig und werden wie immer versuchen, unserem Heimpublikum tollen Sport abzuliefern!»
Für den Nations Cup gehen für die Schweiz folgende Pferd-Reiter-Paare an den Start:
- Robin Godel und Grandeur de Lully CH
- Mélody Johner und Erin
- Angelika Dubach und Felin de Chignan CH
- Felix Vogg und Colero
Avenches ist Austragungsort der Visana Schweizermeisterschaften Eventing
Parallel zu den internationalen Prüfungen finden im Rahmen des CCIO Avenches auch die Visana Schweizermeisterschaften Eventing statt. Vom Freitag, 17. Juli, bis Sonntag, 19. Juli, treffen sich im Institut Equestre National Avenches (IENA) die besten Schweizer Eventing-Reiterinnen und -Reiter, um sich in den internationalen Prüfungen zu messen.
Die Jungen Reiter kämpfen in den CCI2-S-* und CCI3-S-Prüfungen* um die nationalen Titel, während sich die Elite im prestigeträchtigen CCI4-S* misst. Die Visana Schweizermeistertitel werden am Sonntag, 19. Juli, nach den drei Teilprüfungen Dressur, Gelände und Springen vergeben.
Das Publikum darf sich auf ein hochklassiges Eventing-Wochenende freuen, an dem die besten Schweizer Pferd-Reiter-Paare gemeinsam mit internationaler Konkurrenz für spannenden Sport sorgen.