Das Zurich Working Equitation Masters zieht jedes Jahr ein immer grösseres Publikum an und verbindet Spitzensport mit Geselligkeit und neuen pferdesportlichen Eindrücken. Es ist nicht nur die Schweizerseisterschaft in dieser Disziplin, sondern auch das einzige Schweizer Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft 2026 des internationalen Working-Equitation-Verbands (WAWE) in Jerez de la Frontera in Spanien, an der renommierten Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre.
Um diese noch junge, aber stark wachsende Disziplin besser zu verstehen, haben wir Kenneth Kronenberg, Präsident von Swiss Working Equitation und des Zurich Working Equitation Masters, getroffen. Leidenschaftlich, engagiert und visionär erklärt er, was die Working Equitation so besonders macht – und warum das Zurich Masters weit mehr ist als nur ein Wettkampf: ein wahres Fest der Eleganz, der Harmonie und der Action.
Kenneth, wie würdest du jemanden, der die Disziplin noch nicht gut kennt, in wenigen Worten erklären, was Working Equitation ist?
Die Working Equitation ist eine moderne Disziplin, die ihre Wurzeln in der europäischen Arbeitsreitweise hat. Im Zentrum steht die harmonische Beziehung zwischen Pferd und Reiter bzw. Reiterin. Das Pferd soll gut ausgebildet, vielseitig und gehorsam sein und mit Präzision und Eleganz sowohl in der Dressur wie auch in den Geschicklichkeits- und Speed-Prüfungen bestehen. Es ist eine spannende Disziplin, die auch für das Publikum leicht nachvollziehbar ist und auf eine lange Tradition zurückblickt.
Konkret: Was ist das Zurich Working Equitation Masters und was bedeutet die WAWE-Qualifikation?
Das Zurich Working Equitation Masters ist das wichtigste Turnier dieser Disziplin in der Schweiz. Es ist zugleich die offizielle Schweizermeisterschaft und das einzige in der Schweiz vom internationalen Working-Equitation-Verband (WAWE) anerkannte Qualifikationsturnier. Pro Land darf es nur ein einziges solches Turnier geben, was das Zurich Masters einzigartig macht. Wer hier startet, kann sich für Europa- oder Weltmeisterschaften qualifizieren. Aber der Event ist weit mehr als nur ein Wettkampf: Es soll auch ein Fest für alle sein. Es gibt Prüfungen von Klasse E bis zur Masterclass S sowie eine Führzügelklasse für Kinder von 5 bis 12 Jahren. Besucherinnen und Besucher dürfen sich zudem auf Foodtrucks, einen Second-Hand-Pferdesport-Pop-up-Shop und die Präsenz anerkannter Marken freuen. Am Samstagabend rundet ein Dinner-Spektakel mit Show-Acts aus Reitkunst, Feuer, Freiheitsdressur und sogar einer Grand-Prix-Kür den Anlass ab.
Welche Prüfungen oder Hauptdisziplinen stehen im Vordergrund?
Die Working Equitation besteht aus drei, teilweise vier Hauptprüfungen. Dazu gehört die Dressur im klassischen Viereck. Es folgt der Geschicklichkeitsparcours, auch Ease of Handling genannt, wo Tore, Brücken oder Slaloms zu überwinden sind und mit Noten von 1 bis 10 bewertet werden. Hinzu kommt der Speed Trail – ein ähnlicher Parcours, jedoch auf Zeit geritten, bei dem Tempo und Präzision zählen. Auf internationalem Niveau gibt es zusätzlich die Rinderarbeit, bei der ein Rind abgetrennt und getrieben werden muss. Diese Disziplin wird heute jedoch immer seltener praktiziert und ist nicht mehr zwingend für die Qualifikation.
Wodurch unterscheidet sich diese Disziplin von bekannteren Pferdesportarten wie der klassischen Dressur oder dem Springreiten?
Der grösste Unterschied liegt in der Vielseitigkeit. Im Gegensatz zur klassischen Dressur oder zum Springen verlangt die Working Equitation vom Pferd nicht nur Eleganz und Korrektheit, sondern auch die Bewältigung praktischer Aufgaben: ein Tor öffnen, eine Brücke überqueren, enge Wendungen reiten. Gleichzeitig bleibt der Anspruch an die Dressur hoch, mit Lektionen wie Galopp-Pirouetten oder Serienwechseln im Parcours. Besonders attraktiv ist, dass man mit jedem Pferd erfolgreich sein kann – es braucht keine spektakulären Gänge oder Überflieger.
Welche Vorteile bringt sie für die Reiter, die Pferde und auch für das Publikum?
Für die Reiter ist es ein vielseitiges Training, das Balance, Präzision und Gelassenheit fördert. Für die Pferde ist es eine abwechslungsreiche Arbeit, die Körper und Geist gleichermassen fordert, ohne einseitig zu sein. Und für das Publikum ist es ein Sport, der Eleganz, Technik und Action verbindet – spannend und leicht verständlich, auch für Menschen ohne Pferdeerfahrung.
Ist diese Disziplin auch für Amateure zugänglich oder vor allem für Reiterinnen und Reiter auf hohem Niveau gedacht?
Die Working Equitation ist für alle offen. Anfänger können in den Klassen E oder A mit einfachen Aufgaben starten, während Fortgeschrittene bis zur Masterclass S reiten, wo internationales Niveau verlangt wird. Gerade diese Vielfalt macht den Sport so attraktiv: Jede und jeder findet seinen Einstiegspunkt, kann sich weiterentwickeln und eine neue Dimension der Partnerschaft mit dem Pferd entdecken.
Mehr über die Disziplin
Die Working Equitation hat ihre Wurzeln in den Arbeitsreit-Traditionen Südeuropas: Spanien, Portugal, Frankreich und Italien. Früher nutzten die andalusischen Vaqueros, die Gardians der Camargue, die portugiesischen Campinos oder die italienischen Butteri ihre Pferde, um Vieh zu treiben, Tore zu öffnen oder zu schliessen, Herden über weite Flächen zu führen oder ein Tier zum Markieren oder Behandeln zu separieren.
Mit der Veränderung der Landwirtschaft und der Lebensweisen gingen viele dieser Traditionen verloren. In den 1980er- und 1990er-Jahren entstand die Working Equitation aus dem Wunsch, diese Reitweisen zu bewahren, zu strukturieren und sie nicht nur als ländliches Kulturgut, sondern auch als Sportdisziplin zugänglich zu machen.
Heute vereint sie Reiterinnen und Reiter aus verschiedensten Bereichen unter einem einheitlichen Reglement (Dressur, Geschicklichkeit, Speed, teilweise Rinderarbeit) und legt den Fokus nicht nur auf Leistung, sondern auch auf die Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter, auf Agilität, Respekt und Präzision – ohne dabei ihre traditionellen Wurzeln zu vergessen.