Die Teilnahme an einem FEI Vaulting World Cup™ Finale ist ein ganz besonderer Moment in der Karriere einer Voltigiererin oder eines Voltigierers. In dieser Saison dürfen vier Schweizer Athlet:innen diese einzigartige Erfahrung in Opglabbeek, Belgien, machen – als verdiente Belohnung für Monate harter Arbeit, zahlreiche Reisen und überzeugende Leistungen auf internationaler Bühne.
Unter ihnen ist Sven Ris, der sein erstes Finale im Einzel der Herren bestreiten wird. Für den jungen Schweizer bedeutet diese Qualifikation enorm viel: «Es ist meine erste Teilnahme und etwas ganz Besonderes für mich!» Als er von seiner Qualifikation erfuhr, überwogen sofort die Emotionen: «Ich habe mich riesig gefreut und direkt meiner Trainerin geschrieben.» Trotz der Bedeutung dieses Events bleibt Sven seiner gewohnten Vorbereitung treu. Seine Routinen möchte er nicht komplett verändern: «Ich halte meine Vorbereitung lieber eher kurz. Ich wärme mich auf und bereite meinen Körper vor, aber ich möchte nicht zwei Stunden über jedes Detail nachdenken. Ich weiss, was ich zeigen will: mein Bestes.»
Für ihn ist es besonders wichtig, mental frisch zu bleiben, um im entscheidenden Moment ganz in seine Performance eintauchen zu können. Seine Programmmusik spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie ihm kurz vor dem Einlaufen Ruhe und Konzentration gibt. Auf die Frage, wie er Voltige in einem Satz beschreiben würde, antwortet er mit Worten, die die besondere Verbindung zwischen Athlet:innen und Pferd perfekt widerspiegeln: «Voltige ist akrobatische Kunst mit dem Pferd. Früher hätte ich gesagt ‹auf dem Pferd›, aber heute weiss ich: Mit dem Pferd ist es noch schöner und spannender.»
Romy Schiess und Céline Wild: das Pas-de-Deux der Frauen
Auch Romy Schiess und Céline Wild werden im Pas-de-Deux der Frauen ihr erstes Weltcup-Finale erleben. Für die beiden Schweizerinnen kam die Qualifikation völlig überraschend. «Wir haben eine kurze E-Mail erhalten, dass wir qualifiziert sind und innerhalb von drei Tagen antworten müssen. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, und es war auch nicht Teil unserer Saisonplanung.»
Das Timing machte die Entscheidung zusätzlich schwierig. Die beiden Athletinnen mussten sich zwischen ihrem ursprünglichen Programm mit dem Verein beim CVI in Verolanuova, Italien, und der Teilnahme am Weltcup-Finale in Belgien entscheiden. «Wir haben lange überlegt. Schlussendlich wollten wir diese Chance nicht verpassen.» Rückblickend scheint die Entscheidung heute eindeutig richtig gewesen zu sein – umso mehr, da ihr Verein sie nach einigen Anpassungen ebenfalls nach Opglabbeek begleiten wird.
Mit Rückenwind aus ihrem jüngsten Sieg beim CVI in Lier gehen die beiden Schweizerinnen nun mit viel Selbstvertrauen und Vorfreude in dieses Finale. Ihr Programm hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, und sie spüren heute einen grossen Unterschied in ihrer Herangehensweise an Wettkämpfe. «In den vergangenen Jahren gab es manchmal Momente, in denen einfach alles perfekt funktionieren musste. Dieses Jahr ist unser Programm viel ausgeglichener.»
Diese Entwicklung ermöglicht es ihnen, im Zirkel ruhiger zu bleiben und sich stärker auf den künstlerischen Ausdruck zu konzentrieren. «Jetzt geht es nicht mehr nur darum, ob die Übungen funktionieren, sondern vor allem darum, wie wir Flow und Ausdruck zeigen können.» Vor Wettkämpfen tauschen sich die beiden Athletinnen intensiv aus, um ihre Emotionen besser zu steuern und sich gegenseitig zu unterstützen.
Michelle Brügger erlebt ebenfalls ihr erstes Weltcup-Finale
Michelle Brügger komplettiert die Schweizer Delegation in Opglabbeek. Die für das Einzel der Frauen qualifizierte Athletin wird ebenfalls erstmals an einem Weltcup-Finale teilnehmen – ein Schritt, den sie sich so schnell nie hätte vorstellen können. «Es ist meine erste Teilnahme an einem Weltcup-Finale. Ich habe erst letztes Jahr in die Elite gewechselt, deshalb hätte ich nie gedacht, dass ich mich direkt qualifizieren könnte.»
Als sie von ihrer Selektion erfuhr, war die Freude riesig: «Ich war allein zu Hause, als ich die Einladung erhalten habe. Ich habe sofort meine Eltern angerufen. Wegen meiner aufgeregten Stimme dachten sie zuerst, es sei etwas passiert.» Für Michelle bedeutet die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb weit mehr als nur ein sportliches Resultat. Schon seit ihrer Kindheit gehörte das Weltcup-Finale zu ihren grossen Träumen. «Als ich klein war, habe ich immer voller Bewunderung die Videos der besten Voltigiererinnen angeschaut. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages selbst dort stehen würde. Jetzt Teil dieses Wettbewerbs zu sein, bedeutet mir unglaublich viel.»
Mit Blick auf den Wettkampf beschreibt Michelle eine ganz besondere innere Vorbereitung. Nach aussen wirkt sie ruhig und konzentriert, doch innerlich spürt sie grosse Emotionen kurz vor dem Einlaufen. «Kurz vor dem Start bin ich sehr fokussiert und ganz im Moment. Nach aussen wirke ich ruhig und rede wenig. Innerlich spüre ich aber oft grosse Nervosität. Gleichzeitig ist da auch riesige Vorfreude, weil ich das machen darf, was ich am meisten liebe.» Ihre Kür steht unter den drei zentralen Themen Hoffnung, innere Stärke und Leidenschaft – Werte, die ihren bisherigen Weg und ihre Einstellung für dieses erste Weltcup-Finale perfekt widerspiegeln.