Wie wichtig solche Anlässe für die Weiterentwicklung des Para-Dressursports sind, zeigte sich bereits Mitte Februar beim Trainingstag auf der Anlage in Roggwil. Para-Dressurreiter:innen nutzten die Gelegenheit, unter realistischen Bedingungen an ihren Programmen zu arbeiten und sich gezielt auf die kommende Turniersaison vorzubereiten, dies auch dank des gemeinsamen Inklusionsprojekts von Swiss Equestrian und Swiss Olympic.
Für die Para-Dressurreiterin Mirjam Pollara stand dabei vor allem das Training mit ihrem neuen Pferd Secret Love im Mittelpunkt. «Der Zeitpunkt war ideal zur Vorbereitung auf die kommende Turniersaison», sagt sie. «Meine Ziele waren, mit meinem neuen Pferd das erste Mal auswärts unter Turnierbedingungen, aber ohne Prüfungsdruck, zu reiten», erklärt Mirjam Pollara. Im Training arbeitet sie insbesondere an grundlegenden dressurtechnischen Elementen wie Aufrichtung, exaktem Reiten und korrekten Übergängen.
Wertvolles Feedback von internationaler Richterin
Ein besonderer Mehrwert des Tages lag im direkten Feedback von Fachpersonen. Die internationale Level-3-Para-Dressurrichterin Geneviève Pfister begleitete das Training und gab wertvolle Rückmeldungen. Mirjam Pollara hat dies sehr geschätzt. «Es ist eine Ehre, von einer solch kompetenten Richterin beurteilt zu werden», betont sie. Ein Hinweis aus dem Feedback blieb ihr besonders im Gedächtnis: «Ich soll mich besser ‹verkaufen› – nur durch gutes und exaktes Reiten kann ich mich auch entsprechend präsentieren.»
Weiterbildung für nationale Dressurrichter:innen
Neben der sportlichen Förderung der Athlet:innen spielt auch die Ausbildung von Richter:innen eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Para-Dressursports. Am 1. März fand deshalb ein Weiterbildungstag für bisherige und künftige Para-Dressurrichter:innen im NPZ in Bern statt. Ziel war es, interessierte Dressurrichter:innen mit den Besonderheiten dieser Disziplin vertraut zu machen.
Der internationale Richter Marco Orsini erklärt: «Die neuen Para-Richter:innen sollten mit den Grundlagen der Para-Dressur hinsichtlich Struktur, Regeln und Anforderungen beim Richten vertraut gemacht werden.» Thematisiert wurden unter anderem der Para-Pferdesport allgemein, nationale und internationale Strukturen, die Klassifizierung der Athlet:innen, die verschiedenen Grades sowie zugelassene kompensatorische Hilfsmittel. Auch praktische Bewertungsübungen gehörten zum Programm.
Gleiches Bewertungssystem wie im Regelsport
Eine zentrale Herausforderung beim Richten im Para-Dressursport besteht darin, die Leistungen objektiv zu bewerten. «Allen Richter:innen muss klar sein, dass nach den gleichen Kriterien wie im Regelsport bewertet wird und die Beeinträchtigungen der Reiter:innen nicht berücksichtigt werden dürfen», betont Orsini.
Richter:innen übernehmen dabei eine wichtige Rolle als Qualitätskontrolle im Sport. «Gutes muss positiv bewertet werden und Schlechtes negativ – die Bewertung muss realistisch und nachvollziehbar sein.»
Verständnis für das System des Para-Dressursports
Auch die internationale Schweizer Richterin Geneviève Pfister sieht in solchen Weiterbildungstagen eine wichtige Chance, neue Fachpersonen für diese Disziplin zu gewinnen. «Das Ziel ist, Dressurrichter:innen für die Para-Dressur zu begeistern und ihnen diesen Sport näherzubringen», sagt sie.
Ein zentrales Element des Para-Dressursports ist die Klassifizierung der Athlet:innen. Je nach Art und Grad ihrer Beeinträchtigung werden sie in fünf sogenannte «Grades» eingeteilt. Diese Einstufung erfolgt durch speziell ausgebildete Klassifizierer:innen und bestimmt, in welchem Grade und mit welchen kompensatorischen Hilfsmitteln die Athlet:innen an den Start gehen. Interessierte Personen haben die Möglichkeit, sich anlässlich des Tags der offenen Tür Para-Dressur am Wochenende vom 11./12. Juli 2026 in Bern klassifizieren zu lassen.
Para-Dressur ist nicht therapeutisches Reiten
Wichtig ist Pfister zudem eine klare Abgrenzung gegenüber therapeutischen Angeboten: «Es ist wichtig, Para-Dressur nicht mit therapeutischem Reiten zu verwechseln. Es handelt sich um Leistungssport, der viel Zeit, Training und Engagement erfordert.»
Trainingstage für Athlet:innen und Weiterbildungen für Richter:innen leisten einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Para-Dressursports.
Para-Dressur kurz erklärt
Was ist Para-Dressur?
- Internationale Wettkampfdisziplin im Pferdesport für Athlet:innen mit körperlichen Beeinträchtigungen.
- Bestandteil der Paralympischen Spiele.
Klassifizierung
- Reiter:innen werden durch spezialisierte Klassifizierer:innen in fünf Grades (I–V) eingeteilt.
- Die Einteilung basiert auf Art und Grad der quantifizierbaren Beeinträchtigung.
- Die Klassifizierung wird regelmässig überprüft.
Programme
- Jeder Grade hat eigene Prüfungsprogramme.
- Leistungsstufen reichen von Novice über Intermediate bis Grand Prix und Kür.
Hilfsmittel
- Standardhilfsmittel sind im Reglement definiert.
- Für spezielle Hilfsmittel (z. B. zwei Gerten oder Handschlaufen an den Zügeln) gibt es ebenfalls ein Regelwerk.
Bewertung
- Richter:innen beurteilen die Ritte nach denselben Kriterien wie im klassischen Dressursport.
- Grundlage ist die Ausbildungsskala der Dressur.
- Das Wohl des Pferdes und die Sicherheit der Reiter:innen stehen immer im Mittelpunkt.