Federica, wo stehen wir aktuell auf dem Weg zur WM?
Jetzt beginnt die heisse Phase – oder in unserem Fall vielleicht eher die «kalte»! 😊 Organisatorisch haben wir die wichtigsten Informationen von der FEI und dem Veranstalter erhalten. Nun koordinieren wir Flüge, Unterkünfte, Mietwagen sowie die notwendigen Dokumente für die Delegation und die Pferde. Auch die Reiterinnen stellen ihre Begleitteams zusammen.
Sportlich stehen unsere drei Reiterinnen in engem Austausch mit der Kaderverantwortlichen, unserer Equipentierärztin und dem Trainer. Im Zentrum stehen eine gezielte Trainingsplanung und die individuelle Betreuung, damit Pferde und Reiterinnen am 19. Dezember bestmöglich vorbereitet sind.
Welche Meilensteine stehen bis zur WM noch an?
Entscheidend ist, dass sich Reiterinnen und Pferde an den gemeinsam mit dem Staff festgelegten Vorbereitungsplan halten.
Natürlich braucht es auch etwas Glück, damit alle gesund bleiben. Eis und Schnee in unseren Breitengraden könnten die Vorbereitung beispielsweise erschweren.
Wie sieht es mit der Selektion der Schweizer Equipe aus?
Aktuell haben drei Reiterinnen sowohl die FEI-Qualifikationsbedingungen als auch die Selektionskriterien von Swiss Equestrian erfüllt. Gemeinsam könnten sie eine Mannschaft bilden.
Die definitive Selektion erfolgt dennoch erst im Laufe des Novembers. Wir wollen sicherstellen, dass Pferde und Reiterinnen den besonderen Bedingungen in Butheeb gewachsen und «fit to compete» sind. Dafür werten wir einen letzten Leistungstest sowie die Daten zum Gesundheits- und Fitnesszustand der Pferde aus.
Was macht die Weltmeisterschaft in Butheeb besonders anspruchsvoll?
Die Wüstenbedingungen unterscheiden sich deutlich von denen in der Schweiz. Im Dezember rechnen wir tagsüber mit rund 25 Grad, während es am frühen Morgen deutlich kühler sein kann. Pferde und Reiterinnen müssen deshalb auf ungewohnte klimatische und geografische Bedingungen vorbereitet werden.
Hinzu kommt die anspruchsvolle Logistik vor Ort. Unser Staff und die Grooms müssen während des Rennens zu den verschiedenen Betreuungspunkten entlang der Strecke gelangen. Dafür sind wir auf eine gute Koordination mit den Organisatoren und lokalen Dienstleistern angewiesen.
Welche Anforderungen stellen die 160 Kilometer an Pferde und Reiterinnen?
Vernunft, Erfahrung und eine klare Teamstrategie sind entscheidend. Unsere Equipentierärztin überwacht den Zustand der Pferde während des gesamten Rennens. Wir müssen unsere Strategie konsequent verfolgen, gleichzeitig aber flexibel bleiben, wenn ein Pferd anders reagiert als erwartet. Das Pferdewohl steht jederzeit an erster Stelle.
«Eine solche Weltmeisterschaft ist eine extreme Teamleistung.»
Welche Rolle spielt das Team hinter den Reiterinnen?
Eine solche Weltmeisterschaft ist eine extreme Teamleistung. Die Reiterinnen sind auf die Unterstützung von Grooms, Tierärztin, Trainer und Kaderverantwortlicher angewiesen. Sie betreuen Pferde und Reiterinnen an den Betreuungspunkten, sorgen für die Kühlung der Pferde und geben strategische, physische und mentale Unterstützung.
Ich habe das selbst erlebt: Man teilt alle Emotionen. Wenn Pferd und Reiterin nach 160 Kilometern die Ziellinie erreichen und den letzten Vet-Check bestehen, ist die Erleichterung und Freude bei allen riesig!
Was zeichnet die Schweizer Endurance-Szene international aus?
Ich denke, es sind das vernünftige Reiten, die Disziplin und das langfristige Denken. Wir bauen unsere Pferde mit Geduld und Sorgfalt auf und respektieren ihre individuelle Entwicklung. Nicht der kurzfristige Erfolg steht im Vordergrund, sondern eine nachhaltige sportliche Entwicklung.
«Unsere Reiterinnen sollen Vorbilder sein und zeigen, dass sportlicher Ehrgeiz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Pferden zusammengehören.»
Welche Bedeutung hat die WM für die Weiterentwicklung des Endurance-Sports in der Schweiz?
Wir verfügen nicht über dieselben Ressourcen wie einige führende Nationen. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir mit klaren Werten, einer gemeinsamen Strategie und konsequenter Arbeit international mithalten können.
Diese Haltung möchten wir auch im Nachwuchs und im nationalen Endurance-Sport verankern. Unsere Reiterinnen sollen Vorbilder sein und zeigen, dass sportlicher Ehrgeiz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Pferden zusammengehören.
Was können junge Reiterinnen und Reiter aus der Vorbereitung mitnehmen?
2026 haben alle Kader gemeinsam trainiert und sich auf ihre internationalen Titelkämpfe vorbereitet. So lassen sich Wissen, Erfahrung und Werte am besten weitergeben. Dazu gehören Professionalität, Eigenverantwortung im täglichen Umgang mit sich selbst und dem Pferd sowie Teamfähigkeit.
Mit unserer aktuellen Nachwuchsmannschaft sind wir auf einem guten Weg. Die jungen Athletinnen haben bereits gezeigt, dass sie diese Mentalität leben. Darauf lässt sich aufbauen.
Welche Botschaft möchtest du der Schweizer Endurance-Community mitgeben?
Jede und jeder sollte den eigenen sportlichen Weg verfolgen und dabei vom Wissen und der Erfahrung anderer profitieren. Unsere drei Reiterinnen stehen an unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung, haben aber alle konsequent auf diese WM hingearbeitet.
Wichtig ist, realistische Ziele zu setzen, die zum eigenen Leistungsstand und zum Pferd passen. Mit einem abgestimmten Trainingsplan, kompetenter Unterstützung und regelmässigem Erfahrungsaustausch kann sich jedes Paar weiterentwickeln. Gleichzeitig können erfahrene Reiterinnen und Reiter ihr Wissen weitergeben und so zur Zukunft unserer Disziplin beitragen.
Was fasziniert dich persönlich an einer Endurance-Weltmeisterschaft?
Mich beeindruckt die körperliche und mentale Leistung, die Pferd und Reiterin über 160 Kilometer und in somit rund zehn bis zwölf Stunden gemeinsam erbringen. Ein Pferd besteht den letzten Vet-Check nur, wenn es auch nach dieser enormen Belastung noch «fit to compete» ist. Wenn man dann sieht, wie viel Energie manche Pferde noch haben, ist das faszinierend!
Diese Kombination aus Ausdauer und der besonderen Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd macht für mich den Reiz des Endurance-Sports aus.
Was möchtest du nach der WM über die Schweizer Equipe erzählen können?
Ich hoffe, dass alle unsere Reiterinnen mit ihren Pferden das Rennen erfolgreich beenden und wir unser sportliches Ziel erreichen. Vor allem sollen alle gesund und wohlbehalten nach Hause zurückkehren – mit wertvollen Erfahrungen für ihre weitere Entwicklung.
Besonders freuen würde mich, wenn unsere Leistung und die Werte, für die wir als Team stehen, in der Schweizer Endurance-Community positiv wahrgenommen werden und andere Reiterinnen und Reiter inspirieren