Invisible B: Ein Schlitzohr, auf das man sich verlassen kann

Frech, schlau und arbeitswillig – und ziemlich genau wissend, was er will: Invisible B ist nicht nur das Voltigepferd von der amtierenden Young-Vaulters-Europameisterin Leonie Linsbichler, sondern ein echtes Charakterpferd. Im Stall kennt ihn allerdings kaum jemand unter seinem offiziellen Namen. Hier heisst er schlicht «Elvis». Und wer ihn näher kennenlernt, merkt schnell: Hinter dem zuverlässigen Sportpartner steckt ein verspielter Kerl, der seine Menschen und Pferdekollegen gerne einmal auf Trab hält.

Invisible B kam im September 2024 in seinen heutigen Stall. Den Spitznamen Elvis brachte er gleich mit: Schon seine Vorbesitzerin hatte ihn so genannt – und irgendwie blieb der Name hängen.

Im Winter 2024/25 wurde Elvis behutsam ans Voltigieren herangeführt. Leonie Linsbichler begleitete ihn dabei von Anfang an und bestritt mit ihm auch seine ersten Turniere. Im darauffolgenden Winter rückte das Einzelvoltigieren für Leonie etwas in den Hintergrund. Sie befand sich im Abschlussjahr ihrer Ausbildung, hatte einen langen Arbeitsweg und trainierte gleichzeitig intensiv mit ihrem Team. Für zusätzliche Einzeltrainings blieb entsprechend wenig Zeit.

Zunächst war deshalb geplant, dass Leonie mit einem anderen Pferd starten würde. Da dieses für einen Einsatz im Ausland jedoch nicht genügend Sicherheit bot, kehrte sie zu Elvis zurück. Und obwohl die beiden zuvor nur wenig gemeinsam im Einzel trainiert hatten, passte es schnell wieder.

Einer, den man lesen kann

Was Elvis als Voltigepferd besonders macht, ist sein Charakter. Er ist nervenstark, arbeitswillig und vor allem gut lesbar. Wenn ihn etwas stört, gibt es dafür normalerweise einen nachvollziehbaren Grund.

Ganz ohne eigene Meinung geht es allerdings nicht. Beim Voltigieren erwartet er von den Athletinnen und Athleten eine gewisse Feinfühligkeit. Wird auf seinem Rücken zu hart geturnt, reagiert er gerne mit etwas mehr Vorwärtsdrang. Man könnte sagen: Elvis übernimmt einen Teil der Ausbildung gleich selbst. Wer auf ihm turnt, lernt schnell, fein und möglichst zentral zu arbeiten.

Damit er seine beste Leistung zeigen kann, muss er körperlich locker und geschmeidig sein. Besonders die gymnastizierende Arbeit hilft ihm dabei, sich loszulassen und gut über den Rücken zu arbeiten. Dann kann auch im Voltigieren sein ganzes Potenzial zum Vorschein kommen.

Fang mich doch!

Abseits des Trainings zeigt sich seine freche Seite. Hat Elvis gerade keine Lust, von der Weide zu kommen, kann das Einfangen schon einmal zur kleinen taktischen Aufgabe werden. Mit Köpfchen – oder einem überzeugenden kulinarischen Argument – lässt er sich dann doch überreden.

Auch seine Pferdekollegen fordert er gerne zum Spielen auf. Besonders wenn noch etwas überschüssige Energie vorhanden ist, scheint Elvis überzeugt zu sein, dass auch die anderen dringend ein bisschen Action brauchen.

Nur bei einem Thema hört der Spass auf: Bremsen, Mücken und Fliegen. Dann können seine Beine schon einmal in alle möglichen Richtungen fliegen. Insekten gehören definitiv nicht zu seinem Freundeskreis.

Abwechslung statt Alltagstrott

Zweimal pro Woche läuft Elvis im Voltigetraining, daneben wartet ein vielseitiges Programm auf ihn. Dressurarbeit und Gymnastizierung gehören ebenso dazu wie Springstunden, Arbeit auf der Wiese und Ausritte durch den Wald. Dort geht es über Stock und Stein und immer wieder bergauf und bergab.

Auch unter dem Sattel zeigt sich, warum seine Menschen ihm so vertrauen. In der Gruppe läuft er vorne wie hinten, Wasser ist kein Problem und auch beim Springen ist er mit dabei.

Zu seinen grössten Fans gehört die sechsjährige Tochter seiner Longenführerin Simone Aebi. Wenn gemeinsam ausgeritten wird, möchte sie am liebsten auf Elvis sitzen. Die beiden verbindet auch abseits des Reitens eine besondere Beziehung: Sie schmust mit ihm, unterhält sich mit ihm vor dem Stall und wird dabei von Elvis aufmerksam von oben betrachtet.

Wenn Elvis weiss, dass es zählt

Besonders in Erinnerung geblieben ist ein wichtiges Turnier, bei dem Elvis sich über mehrere Tage hinweg immer weiter steigerte. Durch die zusätzliche tägliche Bewegung wurde er zunehmend lockerer – und zeigte schliesslich seine bis dahin beste Leistung.

Dabei entstand das Gefühl, dass auch Elvis verstanden hatte, dass es jetzt darauf ankam. Er war präsent, konzentriert und gab alles.

Genau diese Mischung macht ihn so besonders: Auf der einen Seite steht ein Sportpferd, dem man vertrauen kann und das bereit ist, für seine Menschen alles zu geben. Auf der anderen Seite ein verspieltes Schlitzohr mit ziemlich klaren Vorstellungen davon, wie sein Tag aussehen sollte.

Eine Massage für Elvis, bitte!

Und was würde Elvis wohl über Leonie erzählen?

Vermutlich, dass sie diejenige ist, die ihn putzt, verwöhnt, eincremt und vor allem massiert. Seine wichtigste Forderung dürfte deshalb schnell formuliert sein: «Noch eine Massageeinheit mehr, bitte!»

Ansonsten gilt: Hauptsache Beschäftigung. Denn Langeweile ist für Elvis ungefähr so attraktiv wie eine Horde Bremsen.

Und vielleicht beschreibt genau das Invisible B am besten: im Sport ein verlässlicher Partner, im Alltag ein cleveres Schlitzohr – und ein Pferd, mit dem es garantiert nie langweilig wird.

Nächster Halt: Visana Schweizermeisterschaften in Avenches

Vom 25. bis 27. September 2026 trifft sich die Schweizer Voltige-Elite im IENA in Avenches zu den Visana Schweizermeisterschaften. Die Schweizermeisterschaften Voltige stehen unter dem Patronat von Visana. Mit ihrem Engagement unterstützt Visana den Schweizer Voltigesport und leistet einen wertvollen Beitrag zur Durchführung dieses besonderen Anlasses. Im Einzel, Pas-de-Deux und in der Gruppe geht es um die nationalen Titel – und natürlich werden auch Leonie und Invisible B wieder im Einsatz sein.