«Im Ziel zählt nicht die Zeit, sondern das Lächeln deines Pferdes.»

Zum ersten Mal steht Jenny Commons als OK-Präsidentin an der Spitze einer Schweizer Meisterschaft – und bringt die SM Endurance 2026 am 15. August nach Zauggenried. Im Interview spricht sie über die Herausforderung, einen Grossanlass zu organisieren, die Bedeutung des Pferdewohls und warum für sie am Ende nicht der Titel, sondern gesunde und zufriedene Pferde der grösste Erfolg sind.

Copyright: Lea Styger

Hinter einer Schweizermeisterschaft steckt weit mehr als eine perfekt vorbereitete Strecke und ein spannender Wettkampf. Unzählige Stunden Planung, ein engagiertes OK-Team und die Liebe zum Endurancesport machen den Anlass erst möglich. Jenny Commons übernimmt 2026 erstmals die Rolle der OK-Präsidentin und sorgt gemeinsam mit ihrem Team dafür, dass Zauggenried am 15. August zur Bühne für die Schweizer Meisterschaften wird. Im Gespräch erzählt sie, was sie motiviert, welche Herausforderungen sie meistert und weshalb im Endurance das Wohl der Pferde immer an erster Stelle steht.

Jenny, was hat dich motiviert, die Schweizermeisterschaft 2026 nach Zauggenried zu holen?

Die OK-Präsidentin von Zauggenried 2025 wollte für 2026 pausieren, um einen anderen Ritt im Frühling zu organisieren. Somit hätte es in Zauggenried in diesem Jahr keinen Ritt gegeben. Nach einem gemeinsamen Gespräch kam die Idee, dass ich die Rolle für Zauggenried 2026 übernehmen könnte und wir uns für die Durchführung der SM bewerben.

Was bedeutet es dir, OK-Präsidentin einer Schweizermeisterschaft zu sein?

Es ist eine grosse Ehre, aber natürlich auch eine grosse Verantwortung. Man möchte alles perfekt machen – für die Pferde sowie auch für alle Teilnehmenden und Besucher. Ich war schon drei Mal bei einer SM involviert, entweder im Sekretariat oder Press Officer, aber zum ersten Mal übernehme ich die Rolle der OK-Präsidentin.

Wie viele Stunden Herzblut stecken inzwischen in der Vorbereitung?

Ganz ehrlich, ich habe aufgehört zu zählen. Eine FEI-Veranstaltung und eine SM zu organisieren, ist nochmals eine ganz andere Hausnummer als ein normaler nationaler Event.

Was war bisher die grösste Herausforderung? 

Dass ich nicht in der Nähe wohne, sowie das Organisieren der ganzen FEI-Offiziellen. Da bekam ich dann aber tatkräftige Unterstützung bei der Rekrutierung von zwei weiteren FEI-Offiziellen – Danke!

Was unterschätzen die meisten Menschen, wenn sie an die Organisation einer Schweizermeisterschaft denken? 

Der selbstauferlegte Druck, alles perfekt machen zu wollen. Aber natürlich auch der Aufwand für die FEI Prüfungen – da gibt es viele Anforderungen zu erfüllen, die wir für nationale Prüfungen nicht benötigen. Und gross auf der ToDo-Liste steht: Nationalhymne und Schweizerfahne nicht vergessen!

OK-Präsidentin Jenny Commons. Copyright: Melanie Greco.

Wie wichtig ist dein OK-Team – und wer sind die stillen Heldinnen und Helden im Hintergrund? 

Die Damen in meinem Team sind einfach grandios, ohne sie ginge es nicht! Nina Ryser kümmert sich um die Finanzen und Sina Marti rockt das Sekretariat. Tabea Stäubli hat das Sponsoren-Management fest im Griff und Marion Bähler und Evi Münger bereiten eine tolle Festwirtschaft vor. Vroni Münger kümmert sich darum, dass das Material alles beisammen und pünktlich zum Aufbau bereit ist. Sie alle helfen auch tatkräftig beim Auf- und Abbau mit. Aber im Hintergrund hat es noch so viel mehr Leute, die vor, während und nach dem Ritt helfen und dafür bin ich zutiefst dankbar.

Was macht die Strecke rund um Zauggenried so speziell? 

Die Strecke ist, für Schweizer Verhältnisse, eher flach und führt rund 35-40% durch den Wald. Ausserhalb vom Wald hat man eine wundervolle Aussicht auf die Berge.

Wo wird sich die Schweizermeisterschaft deiner Meinung nach entscheiden? 

Wenn ich mir das Teilnehmerfeld so anschaue, kann ich mir gut vorstellen, dass es bis auf die letzte Runde offenbleiben wird, wer gewinnt.

Worauf müssen Pferde und Reiter besonders achten? 

Aus gegebenen Anlass natürlich auf das Wetter. Wir wünschen uns, dass alle Reiter und Grooms gut auf ihre Pferde hören, das Tempo gut einteilen und gute Entscheidungen fürs Pferd treffen.

Das Pferdewohl steht im Endurance an erster Stelle. Wie zeigt sich das bei euch konkret?

Wir haben zusätzliche Wasserpunkte auf der Strecke erstellt, wo die Pferde getränkt werden können, die wir mit unseren Helfern ausstatten. Zudem können die Reiter bei uns Eis vorbestellen, um das Kühlwasser auch bei warmem Wetter kühl zu behalten. Die Stallung für die Anreise öffnet bereits um 7 Uhr, damit die Reiter ihre Pferde am frühen Morgen transportieren können. Zudem haben wir vorgängig auch diverse informative Beiträge publiziert, z.B. zur Verwendung vom Eis (Do's und Dont's). Aus- und Weiterbilden der Reiter und Grooms trägt zu besserem Management und besserem Pferdewohl bei.

Worauf freust du dich am meisten, wenn der erste Startschuss fällt? 

Dass der grosse Tag so richtig los geht 😊!

Was wäre für dich am Ende des Tages der schönste Erfolg – unabhängig davon, wer Schweizermeister oder Schweizermeisterin wird?

Wenn alle Pferde top fit im Ziel sind und alle Teilnehmenden und Offizielle happy sind.

Was fasziniert dich persönlich an Endurance bis heute? 

Unverändert nach über 20 Jahren Erfahrung im Endurancesport: Die pure Freude mit dem Partner Pferd viele Kilometer zu absolvieren und dann im Ziel ein Pferd in bester Verfassung und mit gespitzten Ohren zu haben, ist der grösste Erfolg. Es gibt ein schönes Sprichwort: «To finish is to win – im Ziel zählt nicht die Zeit, sondern das Lächeln deines Pferdes». Das Pferd kommt zuerst. Immer.

Wie gehst du mit Stress kurz vor einem so grossen Anlass um? 

Nicht ganz so gut, wie ich es von mir erwartet habe 😉.

Stell dir vor, wir sprechen einen Tag nach der SM nochmals miteinander. Was müsste passiert sein, damit du sagst: «Genau so habe ich mir das vorgestellt.» 

Alle Pferde und Reiter gesund und ohne Zwischenfälle im Ziel!