Hinter den Kulissen der Schweizer Meisterschaften: «Als Groom muss man immer einen Schritt vorausdenken»

Wenn an den Schweizer Meisterschaften im Springreiten in Kappelen-Lyss um Medaillen gekämpft wird, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Reiterinnen und Reiter im Parcours. Doch hinter jedem erfolgreichen Ritt steht ein ganzes Team – und insbesondere die Grooms leisten dabei tagtäglich unverzichtbare Arbeit.

Natalie Donski begleitet Elian Baumann im Stall und an den Turnieren. Sie sorgt dafür, dass die Pferde bestens vorbereitet an den Start gehen, organisiert die Saisonplanung und behält auch in hektischen Momenten den Überblick. Im Interview erzählt sie, weshalb eine Schweizer Meisterschaft bereits Wochen im Voraus beginnt, worauf es im Alltag besonders ankommt – und verrät ein charmantes Ritual von Campari Z.

«Die Vorbereitung beginnt lange vor der Schweizer Meisterschaft»

Für Natalie beginnt die Arbeit für ein Championat nicht erst in der Turnierwoche. «Die Vorbereitungen beginnen meistens einige Wochen davor. Bereits Anfang Jahr stellen wir den Turnierplan für die gesamte Saison zusammen. Die Schweizer Meisterschaft ist eines der Highlights und die Turniere davor dienen gezielt als Vorbereitung.»

Gemeinsam mit Elian wird laufend analysiert, wo das Team steht und was noch verbessert werden kann. Dabei geht es nicht nur um das Training. «Meine Aufgabe ist es, die Turnierplanung so zu gestalten, dass die Pferde genügend Erholungszeit haben und Termine beim Hufschmied oder Tierarzt optimal in die Saison integriert werden.»

Eine Woche voller Vorbereitung

Je näher die Schweizer Meisterschaften rücken, desto mehr greifen alle Abläufe ineinander. Eine Woche vor dem Turnier werden die Pferde nicht mehr über ganze Parcours gesprungen. Stattdessen liegt der Fokus auf gymnastizierender Arbeit und einem möglichst abwechslungsreichen Trainingsprogramm. «Dreimal täglich kommen unsere Pferde raus. Sie gehen auf die Weide oder den Paddock, in die Führmaschine und werden von uns geritten oder longiert. Jedes Pferd wird individuell gearbeitet.»

Am Samstag werden sämtliche Turnierpferde geschoren, bevor am Sonntag der Lastwagen sorgfältig gepackt wird. «Dann kommen die Turnierkisten mit Sätteln, Trensen, Gamaschen und allem weiteren Material in den LKW. Dazu Wassereimer, Futtereimer, Kraftfutter und – je nach Wetter – auch Ventilatoren oder Regendecken. Wir möchten für jede Situation vorbereitet sein.» Nach der Anreise nach Lyss steht der obligatorische Vet Check für die Pferde der Schweizermeisterschaften auf dem Programm. Da die Anreise nach Kappelen-Lyss kurz ist, können die Pferde am Dienstag ihren gewohnten Tagesablauf beibehalten. «Sie gehen morgens wie gewohnt auf die Weide, werden geritten und anschliessend gewaschen. Erst danach fahren wir aufs Turnier.»

Routinen geben Sicherheit

Gerade an einem Championat mit besonderem Druck spielt Verlässlichkeit eine entscheidende Rolle. «Wir gehen bei den Vorbereitungen immer gleich vor. Routinen prägen unsere Pferde und geben ihnen Struktur, Sicherheit und Ruhe.» Diese Beständigkeit hilft den Pferden, entspannt zu bleiben und sich ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren zu können.

Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter

Für die Schweizer Meisterschaften reisen gleich mehrere Pferde mit nach Kappelen-Lyss:

  • Giorgio d'Altenbach – Schweizer Meisterschaft
  • Diarantino – Grosse Tour
  • Dia Gold – Mittlere Tour
  • Casalltino PS – Kleine Tour

Jedes Pferd bringt seinen ganz eigenen Charakter mit. «Jedes dieser Pferde hat seine Eigenheiten und seine Vorzüge. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie sich wohlfühlen und dass es ihnen an nichts fehlt.» Gerade diese individuelle Betreuung macht den Beruf als Groom so besonders – denn kein Pferd ist wie das andere.

Ein Ritual, das für Schmunzeln sorgte

Besonders gerne erinnert sich Natalie an ein Ritual, das sich bei jedem Turnier wiederholte. «Campari Z musste unbedingt noch Pipi machen, bevor er in den Parcours ging. Manche waren etwas irritiert, wenn Elian kurz vor dem Start abstieg und mit ihm an den Rand ging, damit er sich erleichtern konnte.» Für das Team gehörte dieses kleine Ritual ganz selbstverständlich zur Turniervorbereitung – und zeigte einmal mehr, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Pferdes einzugehen.

Groom sein ist mehr als ein Beruf

Für Natalie ist die Arbeit hinter den Kulissen weit mehr als Pferde zu putzen oder zu satteln. «Groom zu sein ist eine Lebenseinstellung. Halbe Sachen gibt es nicht. Man ist die wichtigste Bezugsperson für das Pferd. Die Tage sind lang, die Arbeit verlangt viel körperlichen Einsatz und grosse Hingabe. Mit Pferden zu arbeiten ist für mich aber ein absoluter Traumjob – ich könnte mir gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.»

Wenn Elian Baumann und seine Pferde in Kappelen-Lyss in den Parcours einreiten, steht deshalb nicht nur ein starkes Reiter-Pferd-Paar am Start. Hinter ihnen steht ein eingespieltes Team, das oft schon Wochen vor dem ersten Start dafür sorgt, dass am entscheidenden Tag jedes Detail stimmt.