Die deutsche Para-Dressurreiterin und Gastreferentin Gianna Regenbrecht beeindruckt nicht nur mit ihren sportlichen Erfolgen, sondern vor allem mit ihrer persönlichen Geschichte. Nach einem schweren Reitunfall mit inkompletter Querschnittlähmung entschied sie sich, ihren Blick konsequent auf Möglichkeiten, statt auf Einschränkungen zu richten. Ob im Spitzensport oder im Alltag, immer wieder stellt sie sich auf bemerkenswerte Weise neuen Herausforderungen, um ihre eigenen Grenzen auszuloten, zu verschieben und neue Möglichkeiten zu entdecken. Ihre dreiwöchige Reise durch Kambodscha verdeutlicht diese Haltung eindrucksvoll: Mit Offenheit, Kreativität und Durchhaltewillen wurde die Reise möglich und ein unvergessliches Abenteuer.
Diese Einstellung prägt auch ihren Zugang zum Para-Reitsport, wie Gianna erzählt: «In der Para-Dressur lernt man nicht nur die eigene Bewegung wieder, sondern man lernt und wächst gemeinsam mit dem Pferd.»
Auch sportlich gehört Gianna Regenbrecht zur internationalen Spitze der Para-Dressur. Zu ihren grössten Erfolgen zählen der 6. Platz an den Weltmeisterschaften 2022, der Titel der Deutschen Vizemeisterin sowie zahlreiche Siege und Podestplätze auf internationaler Ebene. Mit ihrer authentischen Art und ihrer inspirierenden Geschichte hinterliess sie bei den Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck und machte den Anlass zu einem besonderen Erlebnis.
Vor dem Training stand zunächst die Klassifizierung durch Dr. med. Stefan Sevenich auf dem Programm. Anschliessend konnten die Para-Reiterinnen und -Reiter, während dem Training mit Rolf Grebe wertvolle Impulse mitnehmen. Mit grosser Fachkompetenz, viel Einfühlungsvermögen und einer beeindruckend menschlichen Art holte er jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer auf deren individuellen Leistungsstand ab und förderte sie gezielt. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie sich vermeintliche Grenzen mit der richtigen Unterstützung Schritt für Schritt verschieben lassen.
Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Grenzen überwunden werden können, zeigte Manuela Schär, eine der erfolgreichsten Schweizer Rollstuhlsportlerinnen. Vor 20 Jahren sass sie das letzte Mal im Sattel und sie nahm sich zum Ziel, im Schritt durch das Dressurviereck zu reiten. Am Ende des Trainings äusserte sie den Wunsch, auch den Trab auszuprobieren, ein eindrücklicher Beweis dafür, wie schnell aus anfänglichen Grenzen neue Möglichkeiten entstehen können. Die Freude, die Manuela Schär nach dem Training ausstrahlte, war förmlich ansteckend. «Es hat mir riesige Freude bereitet, an diesem Training teilnehmen und diese besondere Möglichkeit erleben zu dürfen», erzählt sie. Besonders beeindruckt war Manuela von der Feinfühligkeit ihres Trainingspartners: «Trotz ihrer Grösse reagieren Pferde äusserst sensibel auf jede noch so kleine Körperbewegung und schaffen damit eine einzigartige Verbindung zwischen Menschen und Tier.» Ihr Training absolvierte Manuela Schär mit Pralin, einem im Nationalen Pferdezentrum (NPZ) ausgebildeten Pferd.
Auch Amelie nutzte das Training, um ihrem ganz persönlichen Traum ein Stück näherzukommen. Ihr grosses Ziel ist es, Springreiterin zu werden. Gemeinsam mit ihrer Trainerin, Antonia Koller, arbeitet sie Schritt für Schritt darauf hin. «Als Nächstes möchte ich die Grundausbildung und das Brevet absolvieren», erzählt Amelie.
«Dieses Wochenende hat einmal mehr gezeigt: Das Lebensgefühl Pferd verbindet Menschen. Genau darin liegt die besondere Stärke unseres Sports. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam Zeit mit Pferden verbringen, voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen, entstehen Begegnungen, Respekt und echtes Vertrauen. Das Inklusionsprojekt von Swiss Olympic ist deshalb ein wichtiger Schritt, um gelebte Inklusion im Pferdesport weiter zu stärken,» fasst Präsident Damian Müller, von Swiss Equestrian, zusammen.