Badminton Horse Trials in Grossbritannien ist mehr als nur ein Turnier. Die traditionsreiche Fünfsterneprüfung gilt als das prestigeträchtigste Vielseitigkeitsevent der Welt. Jahr für Jahr pilgern Zehntausende nach Gloucestershire, darunter Mitglieder der Royal Family, Prominente und Fans aus aller Welt. Schweizer Erfolge sind dort selten. Umso bemerkenswerter verlief die diesjährige Austragung für Felix Vogg und Badminton-Debütantin Nadja Minder.
Top-Ten-Klassierung für Felix Vogg und Cartania
Mit Rang acht bestätigte Felix Vogg einmal mehr seine Klasse auf höchstem Niveau. Für den Ostschweizer war es bereits die vierte Teilnahme mit Cartania – und erneut ein Spitzenresultat. «Es ist einfach immer wieder eindrücklich», sagt Felix Vogg. «Der grösste Pferdesportanlass der Welt, grösser als Aachen von den Zuschauerzahlen her. Es ist sehr beeindruckend, wie viele Leute davon fasziniert werden und wie viele Leute diesen Sport begeistern.»
Felix Vogg hatte sich nach starken Leistungen in Dressur und Springen sogar Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten drei gemacht. «Sie ist deutlich besser drauf gewesen als letztes Jahr», erklärt er über seine Stute Cartania. «Im Gelände ist es leider etwas in die Hose gegangen. Sie war fit genug, aber nicht ganz so reitbar, deshalb mussten wir viel Zeit in Kauf nehmen.» Dies die Analyse und bereits ist die Planung für Burghley, das in vier Monaten stattfindet, gestartet.
Während Felix Vogg längst zu den etablierten Grössen gehört, schrieb die 26-jährige Nadja Minder bei ihrem Debüt ihre ganz eigene Geschichte. Die junge Schweizerin beendete mit dem 19-jährigen Toblerone – ältestes Pferd in dieser Austragung – die härteste Prüfung ihrer Karriere. Dass überhaupt Schweizer Reiterinnen oder Reiter Badminton erfolgreich beenden, ist selten: In der modernen Eventinggeschichte gelang dies nur ganz wenigen Schweizer Paaren.
Kindheitstraum wird wahr
Für Nadja Minder wurde schon das Ankommen in den Stallungen sowie der erste Moment im Dressurviereck unvergesslich. «Bevor ich auf die Mittellinie eingeritten bin, habe ich kurz lächeln müssen und gedacht: Wow, ich bin jetzt wirklich in Badminton», erzählt sie. «Dieser absolute Kindheitstraum wird gerade wahr.»
Überhaupt sei das gesamte Erlebnis kaum in Worte zu fassen gewesen. «Das ist wirklich das unglaublichste Eventing-Turnier der Welt – und es hält alles, was es verspricht», sagt sie begeistert. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von den speziellen Geländehindernissen und den Anforderungen ausserhalb der eigentlichen Prüfungen. «Allein der lange Weg vom Stall bis zur Dressurarena war eine Challenge. Die ultrafitten Pferde konzentriert und ruhig zu halten, war nicht ganz einfach.»
Vertrauen in sich und den Sport
Dass sie die drei Disziplinen auf diesem Niveau meistern konnte, gibt ihr nun zusätzliches Selbstvertrauen. «Es braucht so viel, damit an so einem Fünfsternewochenende alles zusammenpasst», sagt sie. «Darum nehme ich extrem viel Vertrauen in mich selbst und in den Sport mit.» Sie beendet die Prüfung auf dem 24. Rang von rund 70 Startenden.
Auch Felix Vogg spricht von der besonderen Atmosphäre in Badminton – gerade in einer Zeit, in der der Pferdesport immer häufiger kritisch betrachtet wird. «Es ist motivierend zu sehen, dass es trotzdem noch so viele Leute gibt, die von diesem Sport begeistert sind.»
Beide Schweizer Athleten betonen zudem die Bedeutung von Geduld und Lernbereitschaft. «Keine Angst vor grossen Zielen und grossen Träumen», rät Nadja Minder jungen Eventingreitern. «Wenn man hart arbeitet, sich korrekt verhält und dranbleibt, ist sehr viel möglich.»
Und Felix Vogg ergänzt: «Der einzige Weg ist, nicht aufzugeben. Und man muss bereit sein, von anderen zu lernen. Ich rede jedes Jahr mit Leuten, die diesen Sport seit Jahrzehnten machen.»
Ein absolutes Ausnahmepaar
Beide zeigten sich besonders beeindruckt von der Siegerin Rosalind Canter und ihrem Pferd Lordships Graffalo – von allen «Walter» genannt –, die nach 2023 und 2025 nun zum dritten Mal zuoberst auf dem Siegertreppchen stehen. Das hat bis heute noch kein Pferd geschafft. Nadja Minder spricht von einer «absoluten Zelebrierung von korrektem Reiten und gutem Training» und das Pferd sei auch sehr vielseitig. Felix Vogg lobt vor allem die Konsequenz und Fairness der Britin: «Sie fokussiert sich komplett auf die grossen Events Badminton und Burghley. Und man merkt: Die Pferde haben bei ihr nie Schuld, sie ist sehr fair.»
Für Nadja Minder endete die Reise nach Badminton nicht nur mit einem Spitzenresultat, sondern auch mit einer Bestätigung ihres Weges. «Man weiss nie, wohin einen der eigene Weg führt», sagt sie. «Aber jede Erfahrung – egal ob Erfolg oder Misserfolg – hilft einem weiter.»
Und vielleicht macht genau das den Zauber von Badminton aus: Zwischen historischem Ambiente, Weltklasse-Sport und Tausenden Zuschauern entstehen Geschichten, die weit über Ranglisten hinausgehen.