Den Auftakt macht die Dressur. Die Weltmeisterschaften finden vom 18. bis 23. August in Aachen statt – einem der prestigeträchtigsten Schauplätze des internationalen Pferdesports. Für die Dressurreiterinnen und -reiter stehen die letzten Monate vor einem Championat ganz im Zeichen von Präzision, Vertrauen und dem Streben nach perfekter Harmonie mit ihrem Pferd.
Ruth Haas, Equipenchefin der Schweizer Dressurequipe, spricht über diese anspruchsvolle und zugleich entscheidende Phase der Vorbereitung auf Aachen.
Wie gehen Sie diese sensible Phase vor der Selektion für die Weltmeisterschaften an?
Wir stehen in engem Austausch mit den Reiterinnen sowie dem gesamten Umfeld der Pferde. Diese kontinuierliche Zusammenarbeit ist entscheidend, um die Paare optimal auf ihrem Weg zu begleiten.
Turniere wie der CDIO4* in Lier im Mai sind dabei besonders wertvoll. Die Paare wurden sportlich gefordert und konnten starke Leistungen zeigen. Gleichzeitig gewinnen wir wichtige Erkenntnisse, die uns helfen, uns weiterzuentwickeln.
In Lier präsentierten sich die Schweizer Athletinnen als geschlossenes und harmonisches Team. Mit einem Durchschnitt von über 70 Prozent haben sie gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Hinter jedem Paar auf Championatsniveau stehen Jahre harter Arbeit, grosser Einsatz und bedeutende Investitionen. Unser Ziel ist es, unsere Kaderreiterinnen und -reiter bestmöglich zu unterstützen und ihnen optimale Rahmenbedingungen für ihre weitere Entwicklung zu bieten. Das gilt nicht nur mit Blick auf die Weltmeisterschaften, sondern ist Teil eines kontinuierlichen Prozesses.
Worauf legen Sie in der aktuellen Vorbereitungsphase besonderen Wert?
In den vergangenen Monaten haben wir intensiv an der Kraft und Kondition der Pferde gearbeitet. Nun rückt das Feintuning in den Vordergrund.
Unser Ziel ist es, noch mehr Leichtigkeit, Harmonie und Selbstvertrauen ins Viereck zu bringen. Dafür analysieren wir die Videos der vergangenen Prüfungen und arbeiten gezielt an den Details, die noch verbessert werden können.
Bereit zu sein bedeutet für mich vor allem, ein tiefes Vertrauen zu spüren – in sich selbst, in sein Pferd, in das Team um einen herum und in den eingeschlagenen Weg. Es bedeutet Ruhe, Sicherheit und die Gewissheit, alles getan zu haben, um bestmöglich vorbereitet zu sein.
Aus diesem Vertrauen heraus kann man loslassen, vollkommen fokussiert sein und gemeinsam mit dem Pferd ganz im Moment leben.
Wie bauen Sie die Reiter-Pferd-Paare Schritt für Schritt im Hinblick auf die Weltmeisterschaften auf?
Diese Vorbereitung hat bereits nach der vergangenen Saison begonnen. Gemeinsam mit unseren Kaderreiterinnen und -reitern haben wir verschiedene Bausteine entwickelt, die auf die langfristige Entwicklung der Paare ausgerichtet sind.
Dazu gehören Kadertrainings, individuelle Turnierplanungen, die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen wie CDIOs sowie die Analyse der Erfahrungen und Erkenntnisse aus vergangenen Championaten.
Unser Nationaltrainer begleitet die Paare regelmässig an Turniere und kann dadurch gezielt und zeitnah auf individuelle Bedürfnisse eingehen.
Einige Tage vor den Weltmeisterschaften wird das Team zudem ein Vorbereitungscamp in der Nähe von Aachen absolvieren, um die letzten Feinabstimmungen vor dem grossen Saisonhöhepunkt vorzunehmen.
Welche Kriterien werden für die Selektion entscheidend sein?
Die Resultate in Grand Prix und Grand Prix Spezial bei internationalen Turnieren werden selbstverständlich eine zentrale Rolle spielen. Auch die Schweizer Meisterschaften in Hüntwangen werden ein wichtiger Bestandteil der Beurteilung sein.
Doch die Ergebnisse allein sind nicht ausschlaggebend. Ebenso berücksichtigen wir die Formkurve der Paare im Hinblick auf das Championat, ihre Konstanz sowie ihr Potenzial, auf höchstem Niveau unter den besonderen Bedingungen einer Weltmeisterschaft erfolgreich zu sein.
Unser Ziel ist es, die bestmögliche Mannschaft für Aachen zusammenzustellen und gleichzeitig die langfristige Entwicklung unserer Spitzenpaare im Blick zu behalten.