Die Weltmeisterschaften finden vom 18. bis 23. August in Aachen statt – einem der traditionsreichsten und bedeutendsten Austragungsorte des internationalen Pferdesports. Zwischen dem gezielten Formaufbau der Paare, dem Management der Pferde und strategischen Entscheidungen ist diese Phase besonders intensiv.
Peter van der Waaij, Equipenchef der Schweizer Springreiter, spricht über diese ebenso sensible wie entscheidende Phase auf dem Weg nach Aachen.
Wie verläuft diese erste Phase vor der Selektion in Ihrer Disziplin?
Nach den wichtigen Saisonstationen in St. Gallen und La Baule richten die Reiterinnen und Reiter ihren Fokus nun auf die nächsten grossen Herausforderungen. Rotterdam ist die nächste wichtige Station, bevor in Falsterbo die definitive Selektion für die Weltmeisterschaften vorgenommen wird
Für jedes Paar wurde gemeinsam eine individuelle Planung erarbeitet, mit einem klaren Ziel: In Aachen mit fitten Pferden und leistungsstarken Paaren am Start zu sein.
Wie steuern Sie den schrittweisen Formaufbau der Paare?
Jedes Paar folgt einer sorgfältig abgestimmten Planung – angepasst an Pferd, Reiter und die Ziele der Saison. Wichtig ist dabei, die Form Schritt für Schritt aufzubauen, ohne jeden Parcours oder jedes Resultat überzubewerten.
Die Paare sollen sich in ihrem eigenen Rhythmus entwickeln können, um rechtzeitig zur WM ihren Höhepunkt zu erreichen. Einige wichtige Prüfungen, wie die kommenden 5*-Nationenpreise oder bedeutende Grands Prix, werden dabei wichtige Hinweise auf den aktuellen Leistungsstand geben.
Welche Faktoren werden entscheidend sein, um bereit für Aachen zu sein?
Das Wichtigste wird sein, mit gesunden, selbstbewussten und mental bereiten Pferden nach Aachen zu reisen – und das gilt auch für die Reiter!
Wir versuchen ständig, die richtige Balance zu finden: die Pferde zu schonen, sie aber gleichzeitig genügend zu fordern, um mögliche Schwachstellen zu erkennen und gezielt daran arbeiten zu können.
Wie finden Sie die Balance zwischen Leistung und Schonung der Pferde?
Selektion gehört selbstverständlich zum Spitzensport dazu. Ich möchte daraus aber auf keinen Fall ein permanentes Ausscheidungsrennen machen.
Man sieht manchmal Paare, die so viel leisten müssen, um sich einen Platz im Team zu sichern, dass sie am Ende erschöpft an der Meisterschaft ankommen. Meine Aufgabe sehe ich vielmehr darin, alle potenziellen WM-Kandidaten bis zum Schluss fit, motiviert und leistungsfähig zu halten, bevor wir gemeinsam mit der Selektionskommission die endgültige Entscheidung treffen.
Spüren Sie dieses Jahr eine besondere Dynamik innerhalb der Gruppe?
Ja, definitiv. Die Gruppe der Reiter und Pferde, die für die Weltmeisterschaften infrage kommen, ist breiter und stärker aufgestellt als in den vergangenen Jahren – das ist sehr positiv.
Natürlich bringt eine Saison immer auch Unvorhergesehenes mit sich, und gewisse Pläne müssen vielleicht angepasst werden. Aber das gesamte Team verfolgt dasselbe Ziel: bereit zu sein für Aachen.
Und ganz ehrlich: Wenn die finale Selektion für mich als Equipenchef besonders schwierig wird, dann ist das wahrscheinlich ein sehr gutes Zeichen für den Schweizer Springsport.