Atypische Weidemyopathie: Erhöhtes Risiko auf Schweizer Weiden

In der Schweiz sind in den vergangenen Tagen mehrere Fälle von Atypischer Weidemyopathie bei Pferden aufgetreten, insbesondere im Jura. Die Erkrankung kann schwerwiegende Folgen haben. Pferdehalterinnen und Pferdehalter sollten deshalb besonders aufmerksam sein und geeignete Vorsorgemassnahmen treffen. Swiss Equestrian informiert über die aktuellen Risiken und zeigt auf, wie Pferde geschützt werden können.

Die Atypische Weidemyopathie ist eine schwere Muskelerkrankung, die durch die Aufnahme bestimmter Giftstoffe ausgelöst wird. Eine wichtige Gefahrenquelle sind Samen und Keimlinge des Bergahorns, die das Gift Hypoglycin A enthalten. Dieses beeinträchtigt den Energiestoffwechsel der Muskulatur und kann lebensbedrohliche Schäden verursachen. Aktuell werden mehrere betroffene Pferde in Schweizer Tierkliniken behandelt.

Warum ist das Risiko derzeit erhöht?

Es wird vermutet, dass 2026 ein sogenanntes Mastjahr ist, in dem bestimmte Baumarten besonders viele Samen und Früchte produzieren. Beim Bergahorn können dadurch im Herbst grosse Mengen giftiger Samen auf die Weiden gelangen. Konsequenterweise muss man davon ausgehen, dass dann im Frühjahr entsprechend viele Jungpflanzen keimen könnten.

Der heisse Sommer und das teilweise geringe Grasangebot verschärfen die Situation zusätzlich. Finden Pferde nicht genügend Futter, steigt das Risiko, dass sie auf andere Nahrungsquellen wie Blätter oder Samen ausweichen.

Mit gezielten Massnahmen vorbeugen

Pferdehalterinnen und Pferdehalter können das Vergiftungsrisiko durch eine angepasste Weidehaltung deutlich reduzieren. Folgende Massnahmen werden empfohlen:

  • Weiden kontrollieren: Bergahorne auf und in der Nähe von Weiden identifizieren und auf Samen und Keimlinge achten.
  • Risikoweiden meiden: Gefährdete Flächen vorübergehend sperren oder den Zugang einschränken.
  • Weidezeit anpassen: Die Weidezeit bei erhöhtem Risiko reduzieren und Pferde nachts einstallen.
  • Ausreichend Raufutter anbieten: Besonders auf abgefressenen Weiden genügend Heu bereitstellen, vorzugsweise in Raufen.
  • Samen und Keimlinge entfernen: Potenzielle Gefahrenquellen soweit möglich beseitigen.
  • Sauberes Trinkwasser bereitstellen: Frisches Wasser in sauberen Behältern anbieten und stehendes oder durch Pflanzenteile verunreinigtes Wasser vermeiden.

Symptome erkennen und rasch handeln

Mögliche Anzeichen einer Atypischen Weidemyopathie sind Muskelschwäche, Muskelzittern, Steifheit, starkes Schwitzen, kolikähnliche Beschwerden oder auffällig dunkler Urin.

Zeigt ein Pferd solche Symptome, muss umgehend eine Tierärztin oder ein Tierarzt kontaktiert werden. Bis zur tierärztlichen Abklärung sollte das Pferd möglichst wenig bewegt werden.

Equinella unterstützt die Früherkennung

Das Schweizer Frühwarnsystem Equinella sammelt Meldungen aus der tierärztlichen Praxis und hilft, das Auftreten und die Häufung von Pferdekrankheiten frühzeitig zu erkennen. Laut Vinzenz Gerber, Leiter des Institut suisse de médecine équine (ISME) in Bern und Avenches sowie Vizepräsident der Stiftung Pro Pferd, hat Equinella rasch auf die aktuellen Fälle reagiert und die Tierärzteschaft informiert. Ergänzende Informationen werden über die Facebookseite von Equiscope veröffentlicht.

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